MIKROBIOLOGIE Flemings Unvollendete
Der Londoner Arzt Alexander Fleming (1881 bis 1955) hat als Entdecker des Penicillins seit 1928 seinen Platz in der Medizingeschichte sicher - und trotzdem blieb sein Werk unvollendet: All das, was Fleming in den dreißiger Jahren an der Jahrhundert-Substanz sonst noch erforschte, wurde nie veröffentlicht. Jetzt soll das nachgeholt werden: Der Mikrobiologe Milton Wainwright von der University of Sheffield wertete akribisch Flemings Notizbücher jener Zeit aus und schrieb so den wissenschaftlichen Aufsatz, den eigentlich Fleming hätte verfassen sollen. »Flemings Unvollendete« erscheint diesen Monat in der Zeitschrift »Perspectives in Biology and Medicine«. Als hypothetisches Erscheinungsdatum wählte Wainwright den Mai 1940, als Zeitschrift das renommierte »British Journal of Experimental Pathology«. Liebevoll passte er dabei seinen Schreibstil dem ureigenen Ausdruck Flemings an; zur Illustration griff er auf die Originaltabellen aus Flemings Notizbüchern zurück. Offenbar hat sich Fleming in den Dreißigern vor allem mit der Suche nach neuen Penicillin-ähnlichen Stoffen beschäftigt und dabei schon vorausgesehen, dass Bakterien gegen das Original-Penicillin resistent werden können. Warum die Ergebnisse nie veröffentlicht wurden, kann auch Wainwright nicht erklären. Möglicherweise, so spekuliert er, sei das Manuskript damals abgelehnt worden.