Gestorben Frans de Waal, 75
Jean-Pierre Jans / REA / laif
Auch Orang-Utans haben Mitgefühl, auch Schimpansen schmieden Intrigen, auch Kapuzineräffchen kennen Gerechtigkeit: Der niederländische Biologe studierte das Verhalten von Primaten und entdeckte in ihnen viele Wesenszüge des Menschen. In einer Studie etwa rüttelte ein Kapuzineraffe erbost am Käfig, weil er im Tausch gegen Steinchen immer nur Gurkenstückchen von einer Forscherin bekam – und nicht süße Trauben wie der Artgenosse im Nachbarkäfig. Das Äffchen erkannte also, dass es unfair behandelt wurde, und fand dies unerträglich. Erst im Arnheimer Zoo, später an der Emory University in Atlanta beobachtete de Waal das Verhalten der Tiere und zog daraus seine anfangs heftig umstrittenen Schlüsse. Er erforschte das Machtgefüge von Schimpansengemeinschaften und fand darin die Prinzipien Machiavellis wieder. Und er untersuchte, wie Bonobos Sex einsetzen, um ihre Konflikte zu lösen. Frans de Waals Werk korrigierte das Bild, allein der Mensch sei ein Kulturwesen. Doch was geht im Kopf eines Schimpansen vor? Im SPIEGEL-Gespräch sagte der Forscher: »Gewiss ist er kein Philosoph. Er fragt sich nicht: Warum bin ich hier? Aber die soziale, emotionale Erfahrung ist der eines Menschen sehr ähnlich.«