Geschönte Zahlen - DER SPIEGEL
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MEDIZIN Geschönte Zahlen

Geschönte Zahlen
• aus DER SPIEGEL 27/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Immer wieder müssen deutsche Kardiologen sich gegen den Vorwurf wehren, zu viele Linksherzkatheter-Untersuchungen durchzuführen. Das Verfahren soll Engstellen an den Herzkranzgefäßen aufspüren; es ist für Patienten nicht ganz ungefährlich - für Ärzte aber äußerst lukrativ. Um ihre Pfründen zu verteidigen, greifen die Ärzte schon mal zu fadenscheinigen Argumenten. Jetzt soll die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) den von der Bundesregierung zum Kostensparen eingesetzten Sachverständigenrat sogar durch geschöntes Zahlenmaterial gezielt in die Irre geführt haben. Diesen Vorwurf erheben im Fachblatt »Lancet« der Berliner Arzt Michael de Ridder und sein (vor der Veröffentlichung verstorbener) Kollege Wolfgang Dißmann. In einem vom Sachverständigenrat angeforderten Bericht schrieb die DGK: »Im Hinblick auf die Zahl von Linksherzkatheter-Untersuchungen pro 1 Million Einwohner lag Deutschland mit ca. 3900 auf etwa gleicher Höhe wie Belgien mit ca. 3600.« Diese Zahlen aus einem europäischen Register seien veraltet, so Dißmann und de Ridder, und stünden in krassem Widerspruch zu den seit Jahren für jede Diskussion maßgeblichen Werten aus dem aktuellen »Herzbericht« der Länder: Hier ist Deutschland mit 6441 Katheter-Untersuchungen pro eine Million Einwohner einsamer Spitzenreiter. Die DGK leugnet nicht, bei ihrer Darstellung eigene Interessen vertreten zu haben. »Wir waren parteiisch«, sagt DGK-Vorsitzender Martin Gottwik, »aber - darf man das nicht manchmal sein?«

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