Epidemiologie Gespaltene Gesellschaft
Die USA haben unter den Industrienationen die »höchste Rate an heilbaren, durch Geschlechtsverkehr übertragenen Krankheiten« wie Chlamydieninfektionen, Tripper und Syphilis. Die Kosten dieser Entwicklung für den Steuerzahler, so das Fazit eines Mitte November veröffentlichten Berichts der US-Gesundheitsbehörden, liegen bei mindestens zehn Milliarden Dollar jährlich. Daß die Erkrankungsraten für einige der sexuell übertragbaren Krankheiten sogar 50- bis 100mal höher sind als in vergleichbaren Ländern, liege jedoch nicht im Sexualverhalten der Amerikaner begründet. Amerikanische Frauen und Männer hätten nicht mehr Sexualpartner als die Menschen anderswo, erläuterte die Epidemiologin Kathleen Toomey den Report. Vielmehr sei daran ein »ungeheurer Zwiespalt« in der US-Gesellschaft schuld, die einerseits Gespräche auch mit dem Arzt über Sex und seine Konsequenzen tabuisiere, andererseits in Werbung und Medien »den Sex glorifiziere«. Jede vierte Studentin, so ergaben Untersuchungen an Colleges in den Bundesstaaten Washington und Kalifornien, war mit Chlamydien infiziert. Viele der Betroffenen, die als Folge der Infektion mit Beckenentzündungen oder extrauterinen Schwangerschaften rechnen müssen, wußten nichts von ihrer Krankheit.