MEDIZIN »Harakiri-Unternehmen für Frauen«
SPIEGEL: Ein New Yorker Ärzteteam plant Uterus-Transplantationen bei Frauen, die ihre Gebärmutter etwa durch Krebs verloren haben. Wird es solche Operationen bald auch in Deutschland geben?
Heemann: Nein - und ich hoffe, das bleibt auch so.
SPIEGEL: Wäre der Eingriff machbar?
Heemann: Operationstechnisch stellt das sicher kein großes Problem dar. Wir können fast jedes Körpergewebe transplantieren und mit entsprechender Immunsuppression erhalten. Aber ob es sinnvoll wäre, so etwas mit der Gebärmutter zu machen, bezweifle ich.
SPIEGEL: Wo liegen denn die Probleme?
Heemann: Die Frauen müssten während der Schwangerschaft Immunsuppressiva erhalten, um die Abstoßung des Uterus zu verhindern. Die Komplikationsraten wären dadurch deutlich erhöht. Wir kennen die Probleme von Frauen, die nach Nierentransplantationen schwanger werden. Die Frühgeburtenrate liegt dabei sehr hoch; bei Hormonstimulation und künstlicher Befruchtung kommt es relativ häufig zur Abstoßung des Spenderorgans. Bei einem verpflanzten Uterus wäre ausgerechnet das Organ vom Untergang bedroht, in dem das Kind heranwächst. Für die Schwangeren gliche es einem Harakiri-Unternehmen, dieses Risiko einzugehen und womöglich im sechsten oder siebten Monat Spenderorgan und Kind zu verlieren. Da muss man sich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, ein Kind zu adoptieren.
SPIEGEL: Gibt es Anfragen von Frauen, die sich eine solche Transplantation wünschen?
Heemann: Ja, die gibt es. Gerade kranke Frauen, die viel durchgemacht haben, stehen oft unter enormem Druck, schwanger zu werden. Ich kann das verstehen. Aber man muss auch sehen, mit welchen Gefahren das verbunden ist.
SPIEGEL: Was treibt Ihre US-Kollegen dazu, so etwas zu wagen?
Heemann: Positiv formuliert: Sie möchten den Frauen auf jede erdenkliche Weise helfen. Böswillig würde ich sagen, sie tun es, um in die Schlagzeilen zu kommen.