Hüter der Zeit
Mit Hilfe von Laserdioden, die sie aus handelsüblichen CD-Spielern entfernten, bauten Robert Drullinger und seine Kollegen vom National Institute of Standards and Technology (NIST) in Boulder (US-Staat Colorado) 1993 die Atomuhr »NIST-7«, die - vorausgesetzt sie existierte so lange - innerhalb von drei Millionen Jahren höchstens eine Sekunde von der idealen Zeit abweichen würde. Die drei Meter lange Silberkanone, in exakter West-Ost-Richtung installiert, damit ihre Genauigkeit nicht unter der Interaktion zwischen solarer Strahlung und dem Magnetfeld der Erde leidet, hat durch eine noch exaktere Cäsiumuhr am Pariser Observatorium Konkurrenz erhalten. Doch den Gralshütern der absoluten Zeit ist auch dies noch nicht exakt genug - Amerikaner und Franzosen wetteifern derzeit, die erste Cäsiumuhr zu fertigen, die 100mal so genau ist wie NIST-7, allenfalls in 300 Millionen Jahren eine Sekunde vor- oder nachgeht. Die Jagd nach immer größerer Präzision, für Drullinger vergleichbar dem »Streben nach dem unerreichbaren Ideal der Wahrheit«, hat auch praktische Gründe: Astrophysiker etwa brauchen immer genauer gehende Zeitinstrumente, wenn sie die regelmäßigen Strahlungsblitze rasend schnell rotierender Sternreste ("Pulsare") messen wollen.