TIERE Irrläufer in der Ostsee
Eines kann man den Deutschen ganz gewiss attestieren: Sie haben ein Herz für große Tolpatsche. Neben dem tapsigen Riesenboxer Nikolai Walujew war das im abgelaufenen Jahr vor allem jener zwölf Meter lange Buckelwal, der Ende Juli unvermittelt vor Rügen auftauchte. Auf seinem Weg vom Äquator in die Arktis war das trottelige Tier falsch abgebogen und hatte sich schließlich der Ostseeinsel bis auf 30 Meter genähert. Einen vergleichbaren Irrläufer hatte es zuletzt vor 30 Jahren gegeben - entsprechend freudig wurde der bald nur noch vertrauensvoll Bucki genannte Gast begrüßt. Dabei sorgte der irrlichternde Besucher vor allem für Scherereien. So war Bucki im unbekannten Gewässer beinahe auf Grund gelaufen; Biologen diagnostizierten Speckverlust und Todesgefahr für den Wal. Ein fünfköpfiges Rettungsteam von Greenpeace eilte schleunigst herbei und versuchte den exotischen Ankömmling vom Strand fernzuhalten. Nach etwa einem Monat trollte sich der Wal wieder. Zum Glück, wie manche sagen: Anspruchsvolle Gäste wie Bucki fressen einem zwar nicht die Haare vom Kopf - wollen dafür aber mit einer Tonne Meeresfrüchte am Tag versorgt werden.