Keime im Fleisch - DER SPIEGEL
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TIERTRANSPORTE Keime im Fleisch

Der Lebensmittel-Hygieniker und Veterinär Karsten Fehlhaber, 54, von der Universität Leipzig über Gesundheitsgefahren, die dem Verbraucher durch Schlachttiertransporte drohen
• aus DER SPIEGEL 16/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Der extreme Stress bei Tiertransporten kann die »Darmschranke« der Schlachttiere durchlässig machen. Was bedeutet das?

Fehlhaber: In den Verdauungsorganen der Tiere, vor allem im Darm, lebt eine Vielzahl von Keimen, die normalerweise von der Darmschleimhaut daran gehindert werden, in angrenzende Körpergewebe einzudringen. Bei Stress infiltrieren sie die Darmschleimhaut und werden von dort über die Lymph- und Blutbahnen in den ganzen Organismus geschwemmt.

SPIEGEL: Wo wandern die Keime hin?

Fehlhaber: Hauptsächlich in Organe wie Leber und Milz. Wir haben sie aber auch schon im Muskelfleisch gefunden.

SPIEGEL: Schaden die im Tierleib vagabundierenden Erreger auch dem Menschen?

Fehlhaber: Unter den Keimen sind auch solche, die für den Menschen gefährlich sind, vor allem Salmonellen und Campylobacter-Keime. Sie können beim Verzehr des Fleisches zu Lebensmittelinfektionen führen, in schweren Fällen kann das sogar tödlich enden.

SPIEGEL: Werden die Erreger bei den Fleischkontrollen in den Schlachthöfen nicht aufgespürt?

Fehlhaber: Man könnte sie mit bakteriologischen Untersuchungen finden. Aber solche Tests werden im Allgemeinen nicht durchgeführt, weil die Tiere äußerlich gesund erscheinen.

SPIEGEL: Wie stark muss der Stress sein, damit es zur Wanderung der Keime kommt?

Fehlhaber: Schon 30 Minuten Aufregung können reichen. Oft ist gar nicht so sehr die Dauer des Transports entscheidend. Das hektische Aufladen oder das mit viel Lärm verbundene Abladen belasten unter Umständen mehr als ein langer ruhiger Transportweg.

SPIEGEL: Dann könnten auch kurze Schlachttiertransporte das Fleisch schon innerlich kontaminieren?

Fehlhaber: Wir haben bei relativ glimpflichen Transporten schon bei 20 bis 25 Prozent der Tiere Darmkeime im Körper gefunden. Die Wanderungsrate wird noch höher, je extremer die Transporte sind. Das Paradoxe dabei ist: Die Lebendtransporte über Tausende von Kilometern werden gerade damit begründet, dass der Verbraucher frisches Fleisch von frisch geschlachteten Tieren auf dem Teller haben möchte. Die Wahrheit ist, dass er auf diese Weise in vielen Fällen keimverseuchtes Fleisch isst.

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