GRUNDLAGEN Kleine Dellen
Die Zukunft der Speichertechnik könnte altem Steinmetzhandwerk ähneln. Wissenschaftler des IBM-Forschungslabors Zürich konstruieren gegenwärtig den »Millipede«-Chip, der mit winzigen Nadeln Informationen in einem Kunststoffilm verewigt. Schon lange spielen Forscher mit solchen Ideen, doch sind herkömmliche Apparate, sogenannte Kraftmikroskope, zu behäbig, um auch nur halbwegs zügigen Zugriff auf die eingemeißelten Daten zu erreichen. Der IBM-Chip jedoch enthält gleich 1024 filigrane, aus Silizium herausgeätzte Hebelchen, an deren Ende winzige Heizelemente sitzen. So wie ein Tonband im Kassettenrecorder über den Tonkopf gleitet, könnte man einen Polymerfilm mit dem Chip beschreiben: Wenn Stromimpulse einzelne Nadeln kurzzeitig aufheizen, bleibt eine mikroskopische Delle von einigen millionstel Millimetern Durchmesser zurück. Dieselben Nadeln könnten die eingravierten Bitfolgen auch wieder abtasten. Nach diesem Prinzip lassen sich theoretisch bis zu 50mal mehr Informationen pro Fläche speichern als mit den bislang besten magnetischen Aufzeichnungsverfahren, wie sie in Festplatten Verwendung finden.