Klima-Kalender aus dem Eis - DER SPIEGEL
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Klima-Kalender aus dem Eis

• aus DER SPIEGEL 35/1981
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Mit dem Bohrer erkunden Wissenschaftler im Süden Grönlands die Geschichte des Klimas auf der Erde. Die Forschungsbohrung, derzeit auf rund 2200 Meter vorangetrieben, soll demnächst die gewaltige Eiskappe durchstoßen und bis auf den Felsboden vordringen -100 000 Jahre irdischer Klimageschichte sind dann von den durchbohrten Eismassen abzulesen. Weil die 1,8 Meter langen, aus der Tiefe zutage geförderten Eis-Bohrkerne sich an der Oberfläche (wegen des geringeren Drucks) sogleich verändern würden, werden sie in Labors, die am Bohrloch ins Eis gehauen wurden, umgehend analysiert. Aufschluß über die Klimageschichte geben zum Beispiel erhöhter Säuregehalt oder hohe Staubanteile im geschmolzenen Eis. Mit viel Staub vermischt waren demnach die Schneefälle gegen Ende der letzten Eiszeit. Mit Schwefelsäure angereichert -- was auf Vulkanausbrüche hindeutet -- war die Luft in den Jahren 1601 und 1602; das erklärt, warum nach historischen Berichten Sonne und Mond in jenen beiden Jahren »rötlich, schwach und glanzlos« schienen. Eine besonders heftige Vulkan-Eruption ist auch für die Zeit um 50 vor Christus abzulesen. Auch in diesem Fall deckt sich der Fund mit Berichten Virgils und des Älteren Plinius, die Sonne habe sich nach der Ermordung Cäsars (44 vor Christus) verfinstert.

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