Königlicher Gedankenblitz - DER SPIEGEL
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PHYSIK Königlicher Gedankenblitz

• aus DER SPIEGEL 24/2000
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Die Erfindung verhalf Benjamin Franklin 1752 zu Weltruhm: Eine schlichte Eisenstange, verkündete der US-Diplomat und Naturforscher, sei geeignet, Blitzeinschläge von Bauwerken abzulenken; nur müssten ihre Enden zu diesem Zweck angespitzt sein. Bis heute befolgen Blitzableiterhersteller Franklins Bauanleitung. Nur der britische König Georg III. ignorierte trotzig die Empfehlungen des Streiters für die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien und verordnete per Dekret: Sämtliche Blitzableiter an seinen Schlössern sollten runde Enden haben. Messungen, die Atmosphärenphysiker vom New Mexico-Institut für Bergbau und Technologie in Socorro auf einem gewitterumtosten Berggipfel durchführten, beweisen nun, dass der König mit seiner Eingebung richtiger lag als der Naturforscher. Bei Vergleichen zwischen Blitzableitern mit runden und spitzen Enden sei der Blitz ausschließlich in die abgerundeten Stangen gefahren, berichtet die Gruppe in den »Geophysical Research Letters«. Am zuverlässigsten hatten Stäbe mit einem Durchmesser von 19 Millimetern die Blitze auf sich gezogen. Über den abgerundeten Enden baut sich, im Gegensatz zu spitzen, ein stärkeres elektrisches Feld auf, das Blitze anzieht. Franklin habe mit seiner Spitzen-Idee die epochale Erfindung nur »weniger effektiv« gemacht. Georg III. hatte aber von der Materie keinen blassen Schimmer, als er auf abgerundeten Blitzableitern bestand, bewertet Franklins Fachkollege Charles Moore die gedankliche Leistung des Königs. »Er hat es nur getan, weil er sich politisch beleidigt fühlte.«

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