KRYPTOGRAPHIE Konto-Code geknackt
Jedes Verschlüsselungsverfahren ist knackbar, doch wenn der Aufwand, der zum Enträtseln nötig ist, unerschwinglich wird, darf es als sicher gelten. Beim sportlichen Wettbewerb zum Bruch des weitverbreiteten DES-Codes schalteten ambitionierte Amateure zuletzt Zehntausende von PC per Internet für mehr als einen Monat zusammen - ein beachtlicher Erfolg, jedoch von wenig praktischer Bedeutung. Der jüngste Angriff auf die Codebastion endete jedoch mit einem Paukenschlag: Nur 56 Stunden benötigte eine Codebrechermaschine, welche die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) für 250 000 Dollar bauen ließ. Der Spezialrechner mit fast 2000 eigens konstruierten Prozessoren kann über 92 Milliarden Schlüsselmöglichkeiten je Sekunde ausprobieren. Der DES-Code galt bei seiner Einführung in den siebziger Jahren als undurchdringlich. Die meisten Banken verwenden ihn noch heute zur Sicherung des Zahlungsverkehrs, auch die Geheimzahlen deutscher EC-Karten werden so geschützt. Der EFF-Codeknacker wird eine hektische Suche nach besseren Methoden auslösen und auch die US-Regierung in Bedrängnis bringen, die bisher amerikanischen Firmen den Export sichrerer Programme untersagte. Daß Geheimdienste schon lange über solche Spezialrechner verfügen, galt in der Szene als ausgemacht, nun kann sich jeder einen bauen: Die komplette Bastelanleitung ist für 30 Dollar als Buch zu kaufen. www.eff.org/descracker.html