TIERVERSUCHE Mäuse als Abfall entsorgt
SPIEGEL: In der Pharmaindustrie ersetzen Computersimulationen und Roboter inzwischen die Hälfte aller Tierexperimente. In der Grundlagenforschung hingegen wurden 1999 fast 60 000 Tiere mehr zerschnitten oder vergiftet als im Vorjahr. Wie kommt das?
Gruber: Die Pharmaforschung hat gelernt, dass sie mit alternativen Methoden oft schneller, präziser und billiger zum Ziel kommt. In der zweckfreien Forschung haben die Wissenschaftler das nicht nötig und sind oft gar nicht an Ersatzmethoden interessiert.
SPIEGEL: Die Zunahme betrifft Hunde, Katzen, Affen und vor allem Mäuse und Fische. Wozu verwendet man sie?
Gruber: Für möglichst jedes genetische Merkmal soll ein so genanntes Knockout-Maus-Modell geschaffen werden. Hinter jeder gentechnisch veränderten Maus stehen aber Hunderte von Tieren, bei denen die Manipulation nicht gelungen ist. Die werden als Abfall entsorgt. Am stärksten ist die Zunahme bei den Fischen, für die sich vermehrt die Evolutionsbiologen interessieren. Auch in der Ökotoxikologie wird viel mit Fischen geforscht.
SPIEGEL: Verursachen die Eingriffe in das Erbgut den Mäusen Schmerzen?
Gruber: Bei der Herstellung gentechnisch veränderter Tiere entstehen immer wieder Missbildungen und Tiere mit schwersten gesundheitlichen Problemen. Dies ist gut dokumentiert, auch wenn es die Grundlagenforscher nicht gern hören.
SPIEGEL: Wird die Anwendung alternativer Methoden in Deutschland ausreichend gefördert?
Gruber: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft drückt sich da bisher um klare Aussagen. Nun muss sie wohl Stellung beziehen. Der Dachverband der europäischen Wissenschaftsgesellschaften hat sich eindeutig für die Förderung und Anwendung von Alternativen zum Tierversuch ausgesprochen.