Antikörper-Studien Drei Untersuchungen sollen Immunität im Land aufzeigen
Lothar Wieler, Präsident Robert Koch-Institut:
"Der Anteil der Verstorbenen beträgt nun insgesamt 1,9 Prozent. Das hatten wir ja erwartet, dass die Zahl der Todesfälle und der Anteil der Verstorbenen steigt, das ist in den letzten Tagen auch kontinuierlich so gewesen. Und das liegt zum einen daran, dass wir immer mehr Ausbrüche auch in Alters- und Pflegeheimen, auch in Krankenhäusern haben, wo besonders empfängliche Gruppen untergebracht sind oder sich aufhalten. Wir hatten ja am Anfang die Situation, dass sehr viele junge Menschen erkrankt waren, von denen wir wissen, dass das Risiko einer schweren Erkrankung leichter ist, und die Todesfälle, die wir jetzt sehen, das betrifft ja jene Menschen, die für etwa ein bis zwei Wochen erkrankt sind. Und darum gehen wir davon aus, dass das auch noch weiter steigt die Zahl der Verstorbenen. Wie viele Menschen in Deutschland haben denn schon eine Sars-CoV-2-Infektion wirklich durchgemacht? Vielleicht auch, ohne es zu merken? Wir wissen ja, dass auch ein Teil der Infizierten diese Infektion gar nicht wahrnimmt. Wie viele sind also schon immun gegen die Krankheit? Eine wichtige Informationen, die wir brauchen, auf Dauer. Zum einen untersuchen wir das Blut von Blutspendern aus ganz Deutschland. Hier arbeiten wir mit den Blutspendediensten zusammen. Alle 14 Tage sollen hier bis zu 5000 Proben untersucht werden. Das ist wichtig, weil wir auch einen zeitlichen Vorlauf brauchen. Eine einmalige Studie zu einem bestimmten Zeitpunkt ist natürlich auch wieder nur ein Blick zu diesem Zeitpunkt in das Geschehen. Wir werden vier Orte auswählen, die schwer von Covid-19 betroffen waren. Die Auswahl ist noch nicht endgültig geschehen, aber das wird in den nächsten Tagen der Fall sein. Und hier wird pro Ort das Blut von circa 2.000 Menschen immer wieder auf Antikörper untersucht. Das ist dann eine repräsentative Stichprobe, die aber mehrfach durchgeführt werden muss, um die Dynamik einzuschätzen. Und die dritte Studie, die wir durchführen, ist eine sehr anspruchsvolle Studie. Diese bevölkerungsrepräsentative Studie ist ähnlich aufgebaut wie die Studie in den Ausbruchs Gebieten, aber hier repräsentativ für ganz Deutschland. Insofern natürlich deutlich umfänglicher. Hier werden etwa 15.000 Teilnehmer in 150 Regionen untersucht. Wir führen solche Untersuchungen oft in unseren Studien zu Kinder- und Jugendlichen-Gesundheit in Deutschland durch, das heißt hier haben wir sehr viel Erfahrung. Und diese dritte Studie die startet deshalb später, sie ist anspruchsvoller, sie startet im Mai."
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister:
"Ja, wir wollen schrittweise zurück zur Normalität. Aber von einem Alltag, wie wir ihn kannten vor Corona, sind wir noch weit entfernt."
Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin:
"All das, was jetzt gelungen ist, ist ein bisschen auch der Lohn dafür, dass sich alle so diszipliniert verhalten haben. Und jetzt dürfen wir einfach das nicht alles aufs Spiel setzen. Es darf nicht umsonst gewesen sein, was in den letzten Wochen auch an Anstrengung und auch an Verzicht geleistet worden ist von uns allen. Und deswegen ist es wichtig, dass jede und jeder jetzt seine Verantwortung auch weiter wahrnimmt und sich darüber klar wird, auch diese Zeit wird vorbeigehen, sie wird vorbeigehen. Wir werden darüber kommen."
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister:
"Werden wir jetzt nachlässig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verlängerung der Auflagen nötig wird. Aber ich bin da zuversichtlich. Denn wenn ich etwas gespürt habe in den letzten Wochen, dann, dass wir als Gesellschaft gerade in dieser Krise enger zusammengerückt sind. Lassen Sie uns auch weiterhin unter Stress vertrauen."