Ebola: Wo der Wirkstoff ZMapp das Virus bekämpft - DER SPIEGEL
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Wirkung von "ZMapp" Die Schwachstellen des Ebolavirus

Wie kann man das Ebolavirus unschädlich machen? Forscher haben auf der Hülle des Virus drei wichtige Angriffspunkte für Medikamente ausgemacht. Das Wissen soll helfen, experimentelle Arzneien zu verbessern.
Ebola-Virus im 3D-Modell: "Den Feind auskundschaften"
Ebola-Virus im 3D-Modell: "Den Feind auskundschaften"

Ebola-Virus im 3D-Modell: "Den Feind auskundschaften"

Foto: Ward lab/ The Scripps Research Institute
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Forscher haben entdeckt, an welchen Stellen der gegen Ebola eingesetzte Wirkstoff "ZMapp" genau wirkt. Das zeige, wo die Ebolaviren verwundbar seien, und könne zu neuen Medikamenten führen, berichtet das Team um Andrew Ward und Erica Ollmann Saphire vom Scripps Research Institute (TSRI) in La Jolla im Fachmagazin "Proceedings of National Academy of Sciences".

"ZMapp" besteht aus drei sogenannten monoklonalen Antikörpern, die das Virus erkennen und unschädlich machen sollen, indem sie sich an Proteine auf dessen Oberfläche heften. Die Forscher haben unter anderem mithilfe eines Elektronenmikroskops dreidimensionale Bilder erstellt, auf denen zu sehen ist, wo und wie die Antikörper die Viren angreifen.

Den Feind auskundschaften

Demnach binden zwei der Antikörper an ein Protein am unteren Teil des Erregers. Sie scheinen damit das Eindringen der Viren in die Zellen zu verhindern. Der dritte Antikörper dockt am oberen Virenteil an und könnte als eine Art Signal fungieren, um das Immunsystem des Körpers auf die Infektion zu lenken.

Die Strukturen der Ebolaviren auf den Bildern zu analysieren sei, wie einen Feind auszukundschaften, sagt Saphire. "Sie zeigen uns genau, wo Antikörper oder Arzneimittel hinzielen sollten." Ward ergänzte, da nun bekannt sei, wo genau "ZMapp" auf die Viren wirke, lasse sich möglicherweise ein besserer Cocktail von Immunsubstanzen schaffen.

In einer im August im Fachjournal "Science" veröffentlichten Studie  hatten andere Forscher beim aktuellen Ausbruch in Guinea, Sierra Leone und Liberia 300 Mutationen innerhalb von 99 untersuchten Ebolaviren entdeckt. Das macht die Suche nach Impfstoffen und Arzneien schwierig, da sich mögliche Andockstellen für Arzneien auf der Virusoberfläche immer wieder verändert. Die neue Strukturanalyse weist jedoch darauf hin, dass die Stellen, an denen die "ZMapp"-Antikörper binden, relativ beständig sind. Ein Hinweis, dass das Virus in absehbarer Zeit wahrscheinlich keine Resistenzen gegen "ZMapp" entwickeln wird.

VERBREITUNG VON EBOLA
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Klinische Studie mit "ZMapp" Anfang 2015

"ZMapp" hat unter anderem bereits in Rhesusaffen gute Erfolge erzielt. Alle 18 infizierten Tiere einer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie  wurden geheilt, obwohl einige zu Behandlungsbeginn schon deutliche Symptome zeigten. Ob "ZMapp", das von Mapp Biopharmaceutical in San Diego hergestellt wird, beim Menschen wirkt, ist noch nicht sicher. Erst am vergangenen Freitag hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hoffnungen auf eine baldige Heilung von Ebola gedämpft.

Bislang haben nach Angaben des Scripps-Instituts fünf der sieben damit behandelten Patienten überlebt. Es ist aber nicht klar, ob dabei auch die allgemein bessere Behandlung dieser Menschen eine Rolle spielte. Zudem wird "ZMapp" in genetisch veränderten Tabakpflanzen hergestellt und ist derzeit nicht in größeren Mengen verfügbar. Anfang 2015 soll nach Angaben des Scripps-Instituts eine klinische Studie mit "ZMapp" starten.

Kein zugelassenes Medikament verfügbar

Demnächst wollen die Forscher um Ward und Saphire mit ihrer Methode zudem Antikörper von Ebola-Patienten untersuchen, die den Erreger überlebt haben. Sie könnten Aufschluss darüber geben, an welchen Stellen das Immunsystem das Virus angreift - ein weiter Ansatzpunkt für die Verbesserung der Behandlung.

Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff und kein Medikament gegen die Viren. Unabhängig von den "ZMapp"-Untersuchungen will die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Dezember 2014 an medizinischen Zentren in Liberia und Guinea verschiedene Therapien zur Heilung der Krankheit erproben, die vorher zur Bekämpfung anderer Virusinfektionen getestet wurden.

Das Ebola-Virus wurde 1976 entdeckt, Ausbrüche blieben bislang stets regional begrenzt. Den ersten Fall des derzeitigen Ebola-Ausbruchs gab es im Dezember in Guinea. Er ist der bislang größte sowohl in Bezug auf die Patientenzahl als auch auf die räumliche Verbreitung.

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jme/dpa