Telechirurgie: Forscher operieren Schwein in 9300 Kilometer Entfernung - DER SPIEGEL
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Telechirurgie Forscher operieren Schwein in 9300 Kilometer Entfernung

Der Arzt saß in Zürich, sein tierischer Patient lag in Hongkong: Über Tausende Kilometer hinweg haben Fachleute einem Schwein Gewebeproben aus dem Magen entnommen. Als Nächstes wollen sie ihre Methode am Menschen testen.
Operationssaal in Hongkong mit einer Live-Verbindung nach Zürich
Operationssaal in Hongkong mit einer Live-Verbindung nach Zürich

Operationssaal in Hongkong mit einer Live-Verbindung nach Zürich

Foto: ETH Zürich

Bereits im Jahr 2001 gelang die erste transatlantische Operation: Der Chirurg Jacques Marescaux steuerte von New York aus einen Operationsroboter und entfernte auf diese Weise einer Patientin in Straßburg die Gallenblase. Forschende der ETH Zürich und der Chinesischen Universität Hongkong berichten nun von einer ähnlichen Premiere: der ersten magnetischen Endoskopie per Fernsteuerung – und zwar an einem Schwein. Die Arbeit wurde im Fachjournal »Advanced Intelligent Systems«  veröffentlicht.

Die erprobte Methode soll das ferngesteuerte Operieren einfacher machen, schreiben die Forschenden. Sie verwendeten ein System mit magnetisch steuerbarer Magensonde und ohne viele bewegliche Teile wie bei einem Roboterarm. Ein Video des Eingriffs zeigt, wie das Endoskop sich flexibel im Magen des operierten Schweins bewegen ließ.

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»Durch einen magnetischen Kopf kann das Endoskop nicht nur in alle Richtungen gebogen werden, es ist auch kleiner und einfacher zu steuern als herkömmliche Geräte«, sagt Alexandre Mesot, Biomedizintechniker an der ETH Zürich in einer Mitteilung .

Operateur in Zürich, tierischer Patient in Hongkong

Mesot operierte von Zürich aus ein lebendes, aber betäubtes Schwein in einem Operationssaal in Hongkong – über 9300 Kilometer entfernt. Auf einem Bildschirm sah er dabei Livebilder der Operation, die Magensonde bewegte er mithilfe eines Joysticks. Mit rund 300 Millisekunden Verzögerung erreichten die Befehle die ferngesteuerte Magensonde. Zum Vergleich: Bei der transatlantischen Operation 2001 brauchten sie 130 Millisekunden.

Auf diese Weise konnte Mesot eine sogenannte Retroflexion im Magen des Tieres durchführen: Dabei wird das Endoskop nach Eintritt in die Magenhöhle um 180 Grad nach hinten gebogen, um den Mageneingang zu inspizieren. Mit einem winzigen Greifarm konnte er zudem Gewebeproben entnehmen.

»Im nächsten Schritt unserer Forschung hoffen wir, eine Teleendoskopie am menschlichen Magen durchzuführen«, sagt Bradley Nelson, Professor an der ETH Zürich. In der Technologie stecke viel Potenzial, etwa für minimalinvasive Eingriffe im Magen-Darm-Trakt wie Krebsvorsorgeuntersuchungen.

Seit dem Meilenstein 2001 hat sich die Telechirurgie nur langsam durchgesetzt. Nach wie vor würden nur wenige Fernoperationen durchgeführt, berichten die Fachleute. Zu den Herausforderungen gehört etwa, dass es eine zuverlässige Hochgeschwindigkeitsverbindung braucht, über die der Arzt so genau und präzise operieren kann wie vor Ort. Bisherige Operationsroboter wie das Da-Vinci-Operationssystem verwenden dafür Roboterarme, die mit viel Vorsicht gesteuert werden müssen.

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Die teleoperierte Endoskopie könnte dem Forschungsteam zufolge die diagnostische und chirurgische Versorgung in abgelegenen Gebieten verbessern, in denen es an lokalem Fachwissen mangele.

lki