Mensch oder Affe? - DER SPIEGEL
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PALÄONTOLOGIE Mensch oder Affe?

• aus DER SPIEGEL 39/2006
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Um den in der vergangenen Woche im Fachblatt »Nature« als »Lucys Baby« vorgestellten, etwa 3,3 Millionen Jahre alten Vormenschenfund aus Äthiopien ist eine Forscherdebatte entbrannt. Strittig ist, wie menschenähnlich der Hominide Australopithecus afarensis war. Experten um Zeresenay Alemseged vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hatten berichtet, dass das Gehirn des zum Todeszeitpunkt vermutlich dreijährigen Mädchens noch weniger entwickelt war als das eines dreijährigen Schimpansen. Alemseged schließt daraus auf ein verlangsamtes Hirnwachstum ähnlich wie beim Menschen, was zum Beispiel auf ein höherentwickeltes Sozialsystem hinweisen könnte. Jean-Jacques Hublin dagegen, ebenfalls vom Max-Planck-Institut in Leipzig, hält diese Deutung für voreilig. »Das erwachsene Gehirn von Australopithecus ist nicht größer als das von Schimpansen - ich sehe keinen Grund, warum ein Gehirn dieser Größe plötzlich langsamer heranwachsen sollte.« Auch die Lebensweise des Hominiden wird nun erneut diskutiert. Während der Unterkörper des fast vollständig erhaltenen Skeletts den aufrechten Gang der Art bestätigt, ist der Oberkörper affenähnlich gebaut. »Besonders interessant sind die gebogenen Finger und die gorillaähnlichen Schulterblätter«, berichtet Alemseged. »Möglicherweise haben die Kerle noch viel Zeit auf Bäumen zugebracht.« Der australische Anthropologe Colin Groves dagegen glaubt, dass die Arme eher selten zum Klettern genutzt wurden, sondern den aufrechten Gang unterstützten, indem sich die Vormenschen, ähnlich wie Gorillas, mit den Fingerknöcheln am Boden abstützten. Einig sind sich die Forscher indes über die Qualität des Fundes, der in der äthiopischen Region Dikika unmittelbar südlich jenes Geländes gelang, auf dem Paläontologen 1974 mit Lucy die bislang berühmteste Menschen-Urahnin entdeckten. Hublin: »Für die Paläontologie könnte das Dikika-Kind die Bedeutung von Lucy sogar noch übertreffen.«

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