3D-Atlas: Per Web durchs Mäusehirn - DER SPIEGEL
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3D-Atlas Per Web durchs Mäusehirn

Rund 21.000 Gene hat die Maus, eines der wichtigsten Versuchstiere. Forscher haben herausgefunden, dass 80 Prozent davon auch im Gehirn der Nager aktiviert werden. Wo und wie: Das zeigt jetzt ein digitaler Atlas im Internet. Er soll auch den Erforschern des Menschenhirns helfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Genetik und Hirnforschung zählen gegenwärtig zu den heißesten Gebieten der Lebenswissenschaften. Besonders die Schnittmenge der beiden Felder fasziniert die Forscher: Wo im Gehirn sind welche Gene aktiv? Diese Frage stellen Wissenschaftler immer häufiger, wenn sie erforschen wollen, wie das Denkorgan funktioniert - aber auch, wie Krankheiten ihm zusetzen.

Die Erforschung von Hirnfunktion und Genaktivität wird dabei nicht nur durch die Anzahl der Gene - beim Menschen geht man von rund 20.000 bis 30.000 aus - erschwert. Meistens sind es die Wechselwirkungen vieler Gene, die Forscher für eine Erklärung benötigen. So verbringen Biologen oft tausende Stunden damit, zu bestimmen, welche Gene in einer bestimmten Gehirnregion aktiv sind - um dann nach möglichen Mechanismen zu suchen.

Künftig soll das schneller gehen. Ab sofort steht Forschern weltweit ein vollständiger Web-basierter dreidimensionaler Atlas eines Mäusegehirns zur Verfügung. Jeder Internet-Nutzer kann diesen Datensatz kostenlos benutzen . Für das Verzeichnis analysierten Forscher drei Jahre lang 250.000 hauchdünne Scheiben von Mäusegehirnen. Sie überprüften das gesamte Organ darauf, wo dort welche der rund 21.000 Mäuse-Gene aktiv sind.

Mehr Gene im Gehirn aktiviert, als zuvor gedacht

Dabei überraschte die Wissenschaftler die Komplexität des Nager-Hirns: Rund 80 Prozent der Mäusegene sind auch im Gehirn aktiv. Frühere Schätzungen waren von höchstens 70 Prozent ausgegangen. Vor allem aber scheinen sie meist komplexe Mehrfachfunktionen zu haben. Denn nur ein Viertel der im Hirn aktiven Gene tauchen nur in einem einzigen Bereich auf, sagte Allen Jones, der wissenschaftliche Leiter des Projekts, dem Online-Nachrichtendienst "ScienceNow".

Finanziert wurde der digitale Atlas von Paul Allen, einem der Mitgründer des Softwareherstellers Microsoft. Das Verzeichnis alleine kostete 40 Millionen US-Dollar; dem gesamten Projekt hatte Allen 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Weil Menschen zu über 90 Prozent die gleichen Gene haben wie Mäuse, soll der Maushirn-Atlas auch für die Erforschung neurodegenerativer Krankheiten beim Menschen - Alzheimer oder Parkinson - dienen.

Forscher Jones kündigte indes an, dass ein ähnlicher Atlas für das menschliche Hirn bereits angedacht sei. Man befinde sich in Gesprächen mit Neurochirurgen und Verwaltern von Gehirn-Sammlungen.

stx/AFP

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