3D-Technik Hirnoperation ohne Knochensäge
Nach aktuellen Schätzungen haben vier Millionen Deutsche ein Aneurysma im Gehirn, ohne es zu wissen. Die krankhafte Gefäßaussackung entsteht, wenn pulsierendes Blut die Wand eines Gefäßes allmählich ausstülpt. Platzt die Aussackung, setzt eine lebensgefährliche Hirnblutung ein. Von den 12.000 Deutschen, die jährlich davon betroffen sind, stirbt jeder Dritte. Ein weiteres Drittel trägt eine eventuell lebenslange Behinderung davon.
Die Neuroradiologische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) behandelt das Leiden jetzt mit einer High-Tech-Methode: Ein so genannter digitaler Zwei-Ebenen-Subtraktionsangiograph kann Hirngefäße ohne störende Knochen dreidimensional darstellen.
Bei der bisherigen Behandlung von Aneurysmen musste der Schädel geöffnet werden: Der Neurochirurg arbeitete sich millimeterweise an das Aneurysma heran, um letztendlich an der betroffenen Stelle mit einem Metallclip die Blutzirkulation zu stoppen. Mit dem neuen Gerät wird lediglich - unter Vollnarkose und unter ständiger radiologischer Kontrolle - von der Beinarterie aus ein Mikrokatheter mit einer Platinspirale in das Aneurysma eingeführt. Die Spiralen bilden dort ein Drahtknäuel und verschließen die Aussackung.
Auf Grund einer internationalen Studie konnte nachgewiesen werden, dass mit dieser Methode bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen sind als mit der Operation am offenen Schädel. Eine weitere Neuerung ist die Rotations-Angiographie. Der Radiologe erhält damit beim Betrachten der dreidimensional farbig dargestellten Hirngefäße einen räumlichen Bildeindruck.
Nicht nur für den Arzt, sondern auch für die Patienten ist dies ein großer Vorteil, denn dadurch verringert sich nicht nur die Untersuchungsdauer: Auch die Röntgendosis ist erheblich geringer. "Die neue Zwei-Ebenen-DSA-Anlage ist eine wesentliche Voraussetzung für die optimale, minimal invasive Behandlung schwerstkranker Patienten", sagte Professor Hartmut Becker, Direktor der Neuroradilogischen Klinik der MHH. Das 1,5 Millionen Euro teure Gerät wurde aus Bundes- und Landesmitteln finanziert.
Dirk E. Hans