Vergreiste Bakterien Warum die Natur keine ewige Jugend kennt
Escherichia-coli-Bakterien machen es sich einfach. Wenn Nachwuchs produziert werden soll, teilt sich das Bakterium in der Mitte. Es entstehen zwei neue Zellen, beide setzen sich zusammen aus einer Hälfte der alten Zelle und einer neu gewachsenen Hälfte. Das Mutterbakterium ist quasi im Nachwuchs aufgegangen. Alterung schien es bei den Darm-Lebewesen und bei vielen anderen Bakterien nicht zu geben.
In der dritten Generation allerdings sind Kreaturen, die noch einen Teil aus der allerersten Generation in sich tragen, während andere nur aus Hälften der zweiten und der neuen Generation bestehen. Es schleichen sich also Unterschiede ein.
Eric Stewart von der Faculté de Médecine Necker Enfants-Malades in Paris ist ist sicher, dass diese Unterschiede mit der Zeit zu einer Alterung führen. Über viele Generationen hinweg hat er deshalb die Entwicklung von 94 E.coli-Kolonien beobachtet. Jede Kolonie war aus einem einzelnen Bakterium entstanden. Am Ende seiner Studie konnte Stewart den Stammbaum von 35.049 Bakterienzellen nachvollziehen.
Im Alter wird das Wachstum eingestellt
Bei seinen mikroskopischen Beobachtungen stellte Stewart nun fest, dass der Teilungs-Staffellauf tatsächlich nicht in alle Ewigkeit funktioniert. Zellen, die etwa in der siebten Generation eine Zellhälfte abbekommen, die noch aus der ersten Generation stammt, zeigten deutliche Alterserscheinungen. Sie wuchsen langsamer, blieben kleiner oder stellten gar das Wachstum völlig ein. Sie teilten sich auch deutlich seltener.
In seinem Artikel in dem Online-Fachmagazin "PLOS Biology" kommt Stewart zu dem Schluss, dass es tatsächlich keine Lebensform gibt, die den Einflüssen des Alters entkommen kann. Allerdings sei es nun möglich, an E.coli die Alters-Effekte auf zellulärer Ebene zu studieren.