Aids: Beschnittene Männer haben geringeres HIV-Risiko - DER SPIEGEL
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Aids Beschnittene Männer haben geringeres HIV-Risiko

Beschnittene Männer haben ein nur halb so großes Risiko, sich mit HIV zu infizieren wie solche mit intakter Vorhaut. Das scheint nach vielen Hinweisen nun sicher zu sein. Doch Mediziner geben keine Entwarnung: Der Eingriff schütze keineswegs sicher vor einer Infektion.
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Die kulturelle Einordnung ist extrem unterschiedlich: Während die Beschneidung in einigen Ländern als Zeichen von Manneskraft angesehen wird, gilt sie in anderen eher als Entmannung. Einen wichtigen Vorteil hat der Eingrif jedoch, wie zwei jetzt in der Medizinzeitschrift "Lancet" veröffentlichte Studien belegen: Die Maßnahme verringert das Risiko einer HIV-Infektion für beschnittene Männer um mehr als die Hälfte.

Die beiden Untersuchungen in Uganda und Kenia mussten aus ethischen Gründen abgebrochen werden, zu eindeutig waren die Ergebnisse: An der ersten Studie hatten 2784 nicht mit HIV infizierte Männer im kenianischen Kisumu teilgenommen, bei der zweiten waren es 4996 ebenfalls HIV-negative Männer in der Region Rakai in Uganda. Jeweils eine Gruppe der Teilnehmer wurde beschnitten, die andere nicht. Im Verlauf der Untersuchung prüften die Ärzte dann, welche Gruppe sich beim Geschlechtsverkehr eher mit dem Virus ansteckte. Bei den Beschnittenen infizierten sich rund 50 Prozent weniger Probanden als in der Gruppe der nicht beschnittenen Männer.

Schon Ende vergangenen Jahres hatten die "Lancet"-Autoren auf ihre vorläufigen Ergebnisse aufmerksam gemacht, und begründet, dass es ethisch nicht vertretbar gewesen wäre, das Experimente fortzuführen: Schließlich hätte es für die - unbeschnittene - Kontrollgruppe ein höheres tödliches Risiko mit sich gebracht. Nun liegt die abschließende statistische Auswertung des abgebrochenen Versuchs vor. Sie bestätigt zudem eine südafrikanische Untersuchung aus dem Jahr 2005: Demnach schien die fehlende Vorhaut bei den von französischen Forschern untersuchten Männern sogar für ein 60 Prozent geringeres HIV-Risiko verantwortlich zu sein.

Kein zuverlässiger Schutz

Ärzte vermuten, dass das dünne und empfindliche Gewebe der Eichel ohne Vorhaut robuster wird, und es HI-Viren so schwerer haben einzudringen. Zudem können sich die Erreger nicht mehr unter der Vorhaut "verstecken" und sterben dadurch möglicherweise schneller ab. Eine weitere Erklärung könnte sein, dass durch die verringerte Hautoberfläche auch weniger Immunzellen vorhanden sind, die die Viren aufnehmen und sie zu den Lymphknoten bringen.

Ausdrücklich warnen die Mediziner angesichts ihrer Ergebnisse jedoch vor Sorglosigkeit: Eine entfernte Vorhaut schütze keinesfalls zuverlässig vor dem Virus, sie könne nur als Ergänzung zur HIV-Vorbeugung angesehen werden. Auch beschnittene Männer müssen zur Vermeidung von Infektionen Kondome benutzen. Durch die besseren Therapiemöglichkeiten hat die Angst vor Aids in vielen Ländern stark abgenommen. Dadurch wird auch die Nutzung von Präservativen stark vernachlässigt, was etwa in Osteuropa wieder zu einer deutlichen Zunahme der Infektionsfälle geführt hat.

Die weltweite Aidsepidemie hatte 2006 mit 39,5 Millionen Infizierten einen neuen Höchststand erreicht. 4,3 Millionen Menschen steckten sich nach Angaben des Aids-Programms UNAids der Vereinten Nationen neu an. 2,9 Millionen Menschen starben an den Folgen der Immunschwäche.

hei/dpa/AFP