Aids-Konferenz Fast 28 Millionen Aids-Waisen bis 2010 erwartet
Durban - Auf der Weltaidskonferenz wurde am Donnerstag ein im Auftrag der USA erstellter Bericht zu den sozialen Auswirkungen der Immunschwächekrankheit vorgelegt. Danach haben bereits knapp 16 Millionen Kinder, die meisten davon südlich der Sahara, mindestens ein Elternteil an die Krankheit verloren. "Die HIV-Seuche produziert Waisen in einem bislang noch nie da gewesenen Ausmaß", erklärte Susan Hunter, eine Autorin der Studie. Anders als Hungersnöte, Kriege und andere Krankheiten, die zeitweise einen Anstieg der Zahl der Waisenkinder auslösten, sei die Aids-Katastrophe von Dauer. Die Krankheit werde auch in den kommenden Jahrzehnten noch Millionen Kinder elternlos machen, sagte Hunter.
Bis 2010 wird den Angaben zufolge jeweils eines von drei Kindern in Namibia, Swasiland, Simbabwe und Südafrika zum Waisen oder Halbwaisen werden; die meisten der Eltern werden an Aids sterben. "Aids ändert die soziale Landschaft in den am schwersten betroffenen Staaten", sagte John Williamson, der zweite Autor der Studie mit dem Titel "Kinder am Abgrund 2000".
Viele Kinder verlören nach dem Tod ihrer Eltern jede Chance auf eine Ausbildung, da sie die Schule verlassen und die Familie unterstützen müssten. Ebenso schwer wiege der Verlust eines liebevollen Elternhauses, sagte Tony Barnett, Professor an der University of East Anglia in Norwich in Großbritannien. In der Folge könne eine ganze Generation unglücklicher und ungebildeter Menschen entstehen, was wiederum die Gefahr sozialer Unruhen und sozialer Instabilität steigere.
Um Aids-Waisen zu helfen, solle man sie nicht in teure, aber zugleich schlecht ausgestattete Waisenhäuser stecken, sagte Williamson. Stattdessen sollten die Regierungen die betroffenen Familien direkt unterstützen und ihnen damit die Bewältigung der Krise ermöglichen.