Aids-Vorsorge: Scheiden-Bazillus soll HIV blockieren - DER SPIEGEL
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Aids-Vorsorge Scheiden-Bazillus soll HIV blockieren

Forscher wollen Frauen künftig mit einem gentechnisch aufgepeppten Bakterium vor Aids schützen. Der Bazillus, der in der natürlichen Scheidenflora vorkommt, soll mit einem Protein Aidsviren von der Schleimhaut fernhalten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Arbeitsgruppe um John Lewicki von der Stanford University in Kalifornien hat das Bakterium Lactobacillus jensenii gentechnisch so verändert, dass es ein neues Protein produziert. Dieses blockiert genau jene Bindestellen an den Aidsviren, mit denen sie sich an die Zellen in der Schleimhaut der Scheide anlagern, um den Körper zu infizieren.

Im Versuch mit Zellkulturen habe das Protein tatsächlich dafür gesorgt, dass weniger Zellen infiziert wurden, schreiben die Forscher im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Bakterien wurden noch nicht in einer klinischen Studie geprüft, können nach Einschätzung von Lewicki und seinen Kollegen aber dabei helfen, die Infektionsrate zu senken. Solche Mikroorganismen wären zudem leicht und billig herzustellen. Sie böten sich daher besonders für den Einsatz in den Entwicklungsländern an.

Eine solche Methode wäre besonders für Frauen in Afrika von Nutzen. Ihr vielfach niedriger sozialer Stand ermöglicht es ihnen kaum, sich den sexuellen Wünschen von Männern zu widersetzen. Diese lehnen den Gebrauch von Kondomen aber häufig ab. Die gentechnisch veränderten Bakterien blieben hingegen unbemerkt. Ähnliches gilt für eine neue Klasse von Medikamenten, die zurzeit in vielen Labors entwickelt werden. Diese so genannten Mikrobizide sollen ebenfalls in die Scheide gespritzt werden, um die Aidsviren rechtzeitig außer Gefecht zu setzen.