Alkoholismus: Zum Säufer geboren? - DER SPIEGEL
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Alkoholismus Zum Säufer geboren?

"Alkoholismus", meint der Mannheimer Suchtforscher Karl Mann, "ist zu 50 bis 60 Prozent genetisch determiniert. Persönlichkeit und soziale Schicht spielen bei der Suchtentstehung keine Rolle".
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Alkoholismus ist nach neuen wissenschaftlichen Untersuchungen zu einem großen Teil genetisch bedingt. «Mehrere Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Alkoholabhängigkeit zu etwa 50 bis 60 Prozent genetisch determiniert ist», sagte der Mannheimer Suchtforscher Karl Mann in einem dpa-Gespräch. Das bedeute jedoch nicht, dass Alkoholismus nicht heilbar sei. Als abwegig erwiesen habe sich die unter anderem aus der Psychoanalyse stammende Theorie von der "Suchtpersönlichkeit" - dass etwa labile Persönlichkeiten stärker zum Alkoholismus neigten als andere, erklärte Mann.

In Deutschland tränken zwischen acht und zehn Millionen der Bevölkerung zu viel Alkohol, sagte Mann, Inhaber des ersten und bisher einzigen deutschen Lehrstuhls für Suchtforschung am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.

"Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind Alkoholiker, etwa fünf Prozent sind Alkoholmissbraucher." Unter dieser Kategorie fassen die Mediziner Menschen zusammen, bei denen hoher Alkoholkonsum bereits Auswirkungen auf Gesundheit, Sozial- und Arbeitsleben hat.

"Persönlichkeit und soziale Schicht spielen aber bei der Suchtentstehung keine Rolle", sagte Mann. Dass die Gene ein wichtiger Faktor bei der Suchtentstehung seien, belegten zahlreiche Untersuchungen. Auf genetische Veranlagung deute etwa die Tatsache, dass Alkoholismus in manchen Familien gehäuft auftrete. "Adoptierte Kinder, die Alkoholiker als leibliche Eltern haben, laufen auch in Pflegefamilien ohne Alkoholmissbrauch ein drei bis vier Mal höheres Risiko der späteren Abhängigkeit als andere adoptierte Kinder."

Noch nicht bekannt sei allerdings, welche Gene oder welche Kombination von Genen eine Rolle bei der Suchtentstehung spielten, sagte Mann. Eine genetische Veranlagung zum Alkoholismus bedeutet auch nicht, dass die Alkoholabhängigkeit unbesiegbar sei. "Die Therapieerfolge liegen längerfristig bei etwa 40 Prozent. Das ist wesentlich höher als bei manch anderer chronischen Krankheit."