Antarktis Der eisige Panzer wächst
Das Abschmelzen der westantarktischen Eisdecke, auf das frühere Studien hingedeutet haben, gehört zu den Horror-Szenarien der Klimaforschung: Würde der kalte Panzer in den nächsten Jahrhunderten schmelzen, könnte der Meeresspiegel um mehrere Meter steigen, was katastrophale Folgen für die Küstenregionen der Welt hätte.
Doch offenbar hat sich die Erderwärmung noch nicht gravierend auf die Eismassen ausgewirkt. Eine neue Untersuchung von US-Forschern legt vielmehr nahe, dass zumindest ein Teil der westantarktischen Eisdecke nicht wie befürchtet dünner wird, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar deutlich zulegt.
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Ian Joughin vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa und Slawek Tulaczyk von der University of California in Santa Cruz werteten Radarmessungen von Gletschern aus, die in das Ross-Schelfeis münden, eine riesige schwimmende Eisfläche. Während Schneefall die westantarktische Eisdecke wachsen lässt, tragen diese Eisströme zum Massenverlust bei, indem sie Eis zum Meer leiten.
Anhand der Fließgeschwindigkeiten der Gletscher konnten die beiden Forscher die Massenbilanz der Region ermitteln. Wie sie im Fachmagazin "Science" berichten, weisen die Resultate auf ein jährliches Anwachsen der Eisdecke um 26,8 Milliarden Tonnen hin. Frühere Schätzungen waren von einem Verlust von rund 21 Milliarden Tonnen pro Jahr ausgegangen.
Wie Wissenschaftler vermuten, befindet sich die westantarktische Eisdecke seit mehreren tausend Jahren in einer Abtauphase. Die neuen Ergebnisse könnten - wenngleich sie nur ein kleines Gebiet und einen kurzen Zeitraum abdecken - auf eine Umkehrung dieser Entwicklung hindeuten, spekulieren Joughin und Tulaczyk. Die Forscher betonen aber auch, dass in anderen Regionen wie dem Thwaites- und dem Pine-Island-Gletscher das Eis dünner wird.
Zudem weisen sie auf das komplexe und schwer vorhersagbare Zusammenspiel zwischen der Eisdecke, den von ihr ausgehenden Eisströmen und des Schelfeises hin. Sollte die Eisdecke durch ein Stocken der zum Meer fließenden Gletscher anwachsen, könnte im Gegenzug das Schelfeis schwinden und auseinander brechen - was womöglich ebenfalls schwere klimatische Auswirkungen hätte.