Anti-Drogen-Spritze: Sicher vor der Sucht? - DER SPIEGEL
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Anti-Drogen-Spritze Sicher vor der Sucht?

Amerikanische Wissenschaftler experimentieren mit Impfstoffen, die Menschen gegen Drogen resistent machen könnten. Die Frage ist: Wer soll die Spritze kriegen?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Die Zukunft der Drogenbekämpfung könnte in der Anti-Drogen-Impfung liegen, berichtet die New Yorker Zeitung "Village Voice". Forscher der Yale University haben bereits ein Anti-Kokain-Präparat erfolgreich am Menschen getestet. Weitere Impfstoffe, unter anderem gegen Nikotinsucht und Amphetamine, sollen folgen.

Der in Yale getestete Impfstoff mit dem Namen TA-CD verhindert, dass Kokainkonsumenten high werden. Er erzeugt Antikörper, die den Wirkstoff der Droge blocken und so verhindern, dass er ins Gehirn gelangt. TA-CD ist ein Resultat eines millionenteuren Forschungsprogramms, das das National Institute on Drug Abuse (Nida) 1996 ins Leben gerufen hat. Das Motto der Gesundheitsexperten lautet: Drogenabhängigkeit kann chemisch und langfristig verhindert werden. "Genauso wie Diabetes und Krebs ist Drogensucht eine Krankheit, die mit Medikamenten behandelt werden sollte", heißt es im Fünfjahresplan des Instituts. Psychologische Betreuung der Drogenkranken sei allerdings auch weiterhin erforderlich, räumt Frank Vocci, Direktor der Nida-Forschungsabteilung, ein.

Anders als bisher bekannte Anti-Drogen-Präparate ist die neue Medikamentengeneration dazu designt worden, jahrelang im Blut zu bleiben und gegen Drogengebrauch zu schützen. "Es ist die Art von Medikament, die die westliche Welt von Pocken und Polio befreit hat", schreibt die Zeitung. Eltern könnten ihre Kinder impfen lassen und so auf Nummer sicher gehen, dass die Sprösslinge niemals Junkies werden. An diesem Punkt stellen sich allerdings ethische Fragen: Wer soll die Spritze kriegen? Jedes Kind oder nur die, die statistisch gefährdet sind? Ex-Junkies, potenzielle Drogenabhängige oder - der Gleichheit halber - jeder Erwachsene? Ganz folgenlos ist die Impfung nämlich nicht: Sie führt dazu, dass beim Drogentest Antikörper im Blut auftauchen, die auch als Beweis früheren Drogengebrauchs interpretiert werden könnten.

Carsten Volkery