Anti-Guerilla-Technik im Irak Mit dem Laser gegen Heckenschützen
Sie sind die Todfeinde der Besatzer: Scharfschützen, die aus dem Hinterhalt angreifen und unerkannt entkommen, Guerillas, die Gebäude in die Luft jagen und Straßen verminen. Die heimtückische Taktik sorgt nicht nur für zahlreiche Tote unter den US-Soldaten, sondern untergräbt auch deren Moral massiv: Der unsichtbare Gegner hat stets die Initiative, kann wahllos töten. Seit US-Präsident George W. Bush das Ende der Hauptkampfhandlungen verkündet hat, starben im Irak bereits 203 US-Soldaten, 104 davon durch feindliches Feuer.
Die technische Überlegenheit der US-Armee konnte bisher wenig gegen die heimtückischen Angreifer ausrichten. Das soll sich nun ändern: Die Pentagon-Forschungsabteilung Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) arbeitet unter Hochdruck an Systemen, die Scharfschützen und ferngesteuerte Bomben orten sollen.
Politische Sprengkraft
Das US-Verteidigungsministerium weiß dabei nicht nur um die Gefahr für seine Soldaten, sondern auch um die politische Sprengkraft eines sich hinziehenden Guerillakriegs im Irak, der von Kritikern schon jetzt mit Vietnam verglichen wird. Die neuen Geräte, an denen zum Teil schon seit fünf Jahren geforscht wird, sollen deshalb bereits in drei bis vier Monaten in Bagdad zum Einsatz kommen - und wurden von der Darpa jetzt medienwirksam angekündigt.
"Eines unserer Probleme ist, dass die Leute im Irak fast alles tun können, was sie wollen, und damit durchkommen", sagte Darpa-Direktor Anthony Tether. "Deshalb wollen wir eine Technologie einführen, die sie zumindest zögern lässt." Das Scharfschützen-Ortungssystem etwa werde zwar "keine hundertprozentige Lösung" sein. "Aber wenn man in einer ausweglosen Situation steckt, ist auch eine 25-prozentige Lösung großartig."
Das Anti-Sniper-Gerät arbeitet mit einem Laser, der wie ein virtuelles Mikrophon funktioniert. Feuert ein feindlicher Kämpfer sein Gewehr ab, sendet die Kugel Schockwellen aus. Der Laser soll anhand von winzigen Partikeln in der Luft den Verlauf der Schockwellen berechnen und so die Position des Heckenschützen ermitteln. Das Gerät, das ursprünglich zur Ortung von Fahrzeugen entwickelt worden sei, soll eine Reichweite von dutzenden Kilometern haben.
Warnung vor Bombenanschlägen
Nach Angaben von Experten wäre es das erste Mal, dass ein Laser zur Ortung von Heckenschützen verwendet wird. Bisher werden zu diesem Zweck lediglich konventionelle Mikrofone eingesetzt, die durch Dreieckspeilung den ungefähren Standort eines Scharfschützen bestimmen können.
Ein zweites derzeit von der Darpa entwickeltes System soll vor Sprengstoff-Attacken warnen. Es fängt Signale von Handys oder Pagern auf, die nach Angaben der Pentagon-Techniker verbreitet zur Fernzündung von Bomben eingesetzt werden. "Ein solches Gerät ist mitten in einer Stadt, wo jeder ein Mobiltelefon hat, natürlich nicht sehr brauchbar", räumte Tether ein. "Aber für einen Konvoi in der Wüste wäre es eine große Hilfe."
Übersetzer für die Besatzer
Zugleich arbeiten die Militärforscher auch an "weichen" Maßnahmen zur Eindämmung von Guerilla-Attacken - indem sie buchstäblich zur Verständigung der Völker beitragen. US-Soldaten tragen bereits heute Geräte mit sich, die - im Irak derzeit äußerst nützliche - Sätze wie "Hände hoch" und "Waffen fallenlassen" ins Arabische und 15 andere Sprachen übersetzen.
Demnächst aber sollen die US-Truppen einen elektronischen Helfer bekommen, der in beide Richtungen übersetzen kann. "Wir hatten die Wahl, entweder jeden amerikanischen Soldaten 16 verschiedene Sprachen lernen zu lassen oder uns etwas einfallen zu lassen", sagte Tether. Seine Techniker ließen sich also etwas einfallen: einen Multi-Übersetzer, der in etwa einem Jahr an die Truppe verteilt werden soll - auf dass nicht nur die Welt die Amerikaner, sondern auch die Amerikaner die Welt verstehen.
Markus Becker