"Aquapark" Lachstreppe im Rhein
Iffezheim - Der Fischpass - der Erste am Rhein - steht kurz vor seiner Vollendung. Nach dreijähriger Bauzeit sollen hier bald wieder die Lachse springen. Das 300 Meter lange Bauwerk leitet die Fische um das Rheinkraftwerk Iffezheim herum, damit sie den Höhenunterschied von elf Metern zwischen Unter- und Oberwasser überwinden können.
Zwischen 1991 und 1995 wurden in Frankreich 800.000 und in Deutschland 1,6 Millionen Lachs-Setzlinge in die Zuflüsse des Rheins gebracht. 1995 kamen die ersten Rückkehrer zum Iffezheimer Wehr. Damit sie zum Ursprungsort gelangen konnten, wurden sie oberhalb des Wehrs wieder ausgesetzt.
Mit der neuen Aufstiegshilfe sollen die Fische es nun aber selbst schaffen. 37 miteinander verbundene, 4,50 Meter lange und 3,30 Meter breite Becken mit einem Verteilbassin ermöglichen über eine offene Betonrinne einen sanften Anstieg. Die Beckensohle ist mit Natursteinen aufgeraut, damit sich eine Wasserfauna entwickeln kann und die Fließgeschwindigkeit gedrosselt wird. Strömungsarme Bereiche sind als Ruhezonen für die Fische gedacht.
Eine eigens gebaute "Lockstrom"-Turbine mit einem Wasserdurchsatz von bis zu zwölf Kubikmetern pro Sekunde erzeugt an den drei Eingängen des Passes eine Strömung, die den Fischen den Weg weist. "Fische orientieren sich bei ihrer Wanderung an der Gegenströmung", erklärt Günther Lehmann von der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), der das Projekt von Anfang an begleitet hat. Am oberen Ende des Fischpasses werden die Tiere in einer Beobachtungs- und Fangstation gezählt. Auf diese Weise will man mehr über die langfristigen Auswirkungen des Fischbestandes und der Wanderung erfahren.
Von dem Projekt erhofft man sich vor allem, dass der Lachs wieder im Rhein heimisch wird. Dieser war im 19. Jahrhundert so zahlreich, dass er als "sogar den Knechten und Mägden als Kost" vorgesetzt wurde. Die Aussichten erscheinen vielversprechend. Denn sowohl die inzwischen erheblich verbesserte Wasserqualität als auch der neue Pass kommen dem Lachs, der als junger Fisch in der Regel die Flüsse hinabschwimmt und nach ein bis drei Jahren im Meer zu seinem Geburtsort zurückkehrt, sehr entgegen.
"Das Projekt ist gut", urteilt auch der Leiter des Aueninstituts von World Wide Fund For Nature (WWF), Professor Emil Dister. Das Geld wäre aus seiner Sicht aber besser angelegt gewesen, wenn die parallel zum Rhein verlaufenden Wasserläufe für die Fische durchgängig gemacht worden wären. Für viele Fische wie den am Boden schwimmenden Stör sei die Treppe nichts. Diese, so befürchtet der Auen-Ökologe, sei nur für die "Leistungssportler" unter den Fischen wie zum Beispiel den Lachs geeignet.
Die Kosten für das über 17 Millionen Mark teure Projekt teilen sich die französische und die deutsche Seite: Ein Drittel zahlt das Bundesverkehrsministerium und das Land Baden-Württemberg, ein weiteres Drittel übernimmt Frankreich, und für den Rest kommt das Rheinkraftwerk auf. In drei Jahren soll rheinaufwärts im elsässischen Gambsheim ein ähnliches Bauwerk entstehen.