Artenschutz: Terroristen im Tümpel - DER SPIEGEL
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Artenschutz Terroristen im Tümpel

In fremde Lebensräume eingeschleuste Tierarten bereiten immer mehr Probleme, warnen Artenschützer. Auf der schwarzen Liste der gefährlichen Eindringlinge stehen auch der Karpfen, die Hauskatze und das Hausschwein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Karpfen hat sich in vielen Teilen der Welt zu einem Schädling entwickelt: Beim Gründeln reißt er Wasserpflanzen aus und wirbelt Schlamm auf, der das Wasser trübt. Doch während Cyprinus carpio selbst in einer schlammigen Brühe noch gut leben kann, verschwinden andere Arten, die auf klares Wasser angewiesen sind. Ursprünglich in Europa zu Hause, wurde der Karpfen in vielen Ländern als Speise- und Zierfisch ausgesetzt und kommt auch mit widrigen Bedingungen bestens zurecht.

Artenschutzexperten des World Wildlife Fund (WWF) sehen wachsende Gefahren solcher gewollten oder ungewollten Einwanderer für die Natur in allen Teilen der Welt. Im Gepäck von Reisenden, an Schiffsrümpfen, auf Lastwagen, in Zügen oder Flugzeugen reisen immer mehr Tiere und Pflanzen in neue Lebensräume, siedeln sich an, vermehren sich und verdrängen nicht selten die heimischen Arten. "In vielen Fällen sind solche invasiven Arten der Hauptgrund für die Bedrohung anderer Arten", erklärt Roland Melisch von WWF Deutschland.

Die 100 schädlichsten Tiere und Pflanzen listet die Weltnaturschutzorganisation IUCN in einer neuen Studie auf. Auf der Liste steht der Karpfen ebenso wie die Hauskatze, die seit 3000 Jahren als Haustier des Menschen überall hin gelangte und verwilderte, oder der Fuchs, der häufig als Bereicherung der Tierwelt und für die Jagd ausgesetzt wurde. Ist die natürliche Balance zwischen den Arten von einem solchen räuberischen Neuankömmling einmal gestört, kann der Eingriff nicht mehr rückgängig gemacht werden.

In vielen Ländern bereiten verwilderte Hausschweine Probleme, die sich als Allesfresser an jungen Schildkröten und seltenen Reptilien vergreifen, Wurzeln von Pflanzen ausreißen und Krankheiten verbreiten. Auf tropischen Inseln richten eingeschleppte Ameisen regelrechte Massaker unter der heimischen Tierwelt an. Auch Pflanzen, die sich in fremder Umgebung übermäßig verbreiten, können Schäden verursachen: So hat sich etwa der vor 70 Jahren als Ziergehölz in einem botanischen Garten in Tahiti angepflanzte Miconia-Baum inzwischen als dominante Baumart auf der ganzen Insel verbreitet.