Artensterben Völlig normal
Denn in der Geschichte der Erde ist das Massensterben vor 65 Millionen Jahren, im Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär, kein Einzelfall.
- Paläontologen sehen heute fünf große Artensterben und zahlreiche kleinere. Vor rund 650 Millionen Jahren, im Präkambrium, reduzierte sich die Zahl der Arten von Flora und Fauna um rund 70 Prozent. Der Ausfall zahlreicher Arten öffnete ökologische Nischen für andere, die diese schnell besetzten. Ein Muster, das sich mehrere Male wiederholen sollte.
- Im Ordovizium, vor circa 445 Millionen Jahren, liegt das zweite Massensterben. Rund 30 Prozent aller Wasserlebewesen verschwanden.
- Auch vom Artensterben des Devon vor circa 350 Millionen Jahren war vor allem das marine Leben betroffen.
- Neben dem Sauriersterben an der Schwelle von Kreide und Tertiär ist mittlerweile vor allem das Massensterben des Perm vor rund 248 Millionen Jahren ins Blickfeld von Wissenschaftlern und Öffentlichkeit geraten - der schlimmste Rückschlag, den das Leben bisher hinnehmen musste. Rund 70 Prozent der aller Arten von Landlebewesen und 90 bis 95 Prozent von marinen Lebewesen verschwanden. Das Massensterben des Perm leitete den Siegeszug der Saurier ein, die nun frei gewordene ökologische Nischen besetzten.
Neben diesen großen Katastrophen zählen Paläontologen heute zahlreiche kleinere Artensterben, die zum Teil nur bestimmte Familien oder Spezies betrafen. Dazu gehören die des Trias, der Jura, des Oligozän und nicht zuletzt die sechs Wellen des Massensterbens im späten Miozän (vor 9 Millionen Jahre) bis zum Holozän (von vor 10.000 Jahre bis heute).
Gerade das letzte Beispiel zeigt, wie vergleichsweise "sanft" man ein Massensterben zu dem Zeitpunkt wahrnehmen kann, zu dem es stattfindet: Mahner unter den Wissenschaftlern sprechen gerade dem Massensterben des Holozäns das Potenzial zu, dereinst als eines der schlimmsten in der Geschichte der Erde wahrgenommen zu werden. Im Gegensatz zu allen anderen Artensterben, deren Ursachen teils hitzig diskutiert werden oder völlig im Dunkeln liegen, ist hier einer der Hauptfaktoren hinreichend bekannt: der Mensch.
Frank Patalong