Asteroiden: Experten fordern Schutzmaßnahmen - DER SPIEGEL
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Asteroiden Experten fordern Schutzmaßnahmen

Statistisch schlägt alle 100.000 Jahre ein großer Asteroid auf der Erde ein. Vor 65 Millionen Jahren beendete einer die Herrschaft der Saurier - der nächste könnte das Ende der Menschheit bedeuten. Höchste Zeit, meinen britische Experten, für einen "Asteroiden-Schutzschild".
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London - Britische Wissenschaftler haben in einem am Montag veröffentlichten Bericht die Regierung ihres Landes aufgefordert, Schritte zum Schutz der Erde vor Asteroiden-Einschlägen zu unternehmen. Die relativ kleinen Himmelskörper seien eine reale Bedrohung für die Erde, schrieben die Experten.

Ein Asteroid von mehr als einem Kilometer Größe könne verheerende Zerstörungen anrichten, wenn er auf die Erde treffe, sagte Mark Bailey vom Armagh Observatorium in Nordirland dem Rundfunksender BBC. "Das würde eine globale Katastrophe auslösen", sagte er. Innerhalb weniger Monate werde dann wahrscheinlich mehr als Viertel der Weltbevölkerung an den Folgen des Einschlags sterben.

Die von Wissenschaftsminister Lord Sainsbury berufene Expertengruppe forderte den Aufbau eines internationalen Frühwarnsystems, für das auch britische Weltraumfernrohre eingesetzt werden sollten. Der Parlamentsabgeordnete Lembit Opik forderte ein 70 Millionen Pfund (rund 224 Millionen Mark) teures Programm, mit dessen Hilfe in den kommenden zehn Jahren eine Technologie zur Entdeckung gefährlicher Asteroiden entwickelt werden solle. Anfliegende Himmelskörper könnten dann fünf, zehn oder sogar 100 Jahre vor ihrem möglichen Aufprall auf die Erde entdeckt werden. Mit Hilfe von Raketen oder Atomsprengköpfen könne ihre Flugbahn dann verändert werden, so dass diese dann an der Erde vorbeifliegen würden.

Sainsbury sagte, der Bericht der Expertengruppe zeige deutlich die Gefahren durch Asteroiden auf. Großbritannien werde sich an einer internationalen Aktion beteiligen, auch wenn statistisch nur alle 100.000 Jahre ein großer Asteroid auf die Erde treffe. Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa habe bereits ein Programm, das mindestens 90 Prozent aller auf die Erde zufliegenden Himmelskörper entdecken solle, die mehr als einen Kilometer Durchmesser hätten. Experten gehen davon aus, dass jährlich bis zu 10.000 kleine Asteroiden in Fußballgröße auf die Erde prallen, von denen die meisten nicht entdeckt werden.

Ein "Asteroiden-Schutzschild" ist nicht zum ersten Mal in die Diskussion geraten. "Heiß" war das Thema bereits im letzten Jahr, als Astronomen den Asteroiden "1999 AN10 " entdeckten. Dieser schien ein "Risiko-Kandidat" zu sein: Zeitweilig wurde die Möglichkeit diskutiert, dass 1999 AN10 die Erde in einem Abstand von weniger als einer Million Kilometern passieren könnte - ein kosmischer "Katzensprung". Genauere Berechnungen führten in diesem Fall zur Entwarnung.

Es gibt auch Gegenargumente

Die Aufgabe, ein Asteroiden-Frühwarnsystem zu entwickeln, dürfte aber von keiner einzelnen Nation zu meistern sein. An die Sensorik des Frühwarnsystems müssten höchste Ansprüche gelegt werden: Sinn macht die Früherkennung nur, wenn man die Objekte zu einem äußerst frühen Zeitpunkt erfassen könnte. Riskant erscheinen dabei sowohl Kometen als auch Asteroiden, deren Umlaufbahnen weit in die Außenbereiche des Sonnensystems hinausreichen.

Während die Umlaufbahnen der meisten größeren Objekte im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter hinlänglich bekannt sind, stellen die Umlaufbahnen von Objekten im äußeren Sonnensystem ein schwer zu kalkulierendes Risiko dar. Eine Abwehr eines solchen Objektes erscheint nur möglich, wenn es gelingen würde, es bereits auf Höhe der Jupiter-Umlaufbahn zu erkennen - oder früher. Die Kreisbahn des Jupiter liegt circa 5,2 astronomische Einheiten, oder rund 778 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Kleinere Objekte in einer solchen Entfernung zu erfassen, liegt noch weit außerhalb der Möglichkeiten verfügbarer Sensortechnik.

Kritiker bemängeln zudem die enormen Risiken, die mit einer Deponierung von Nuklearwaffen im All verbunden wären. Diese müssten, um rechtzeitig ihr Ziel zu erreichen, in einer weitläufigen Umlaufbahn zwischen Mars und Asteroidengürtel stationiert werden.