Atemaussetzer Schlafapnoe verdoppelt Autounfall-Risiko
Atemaussetzer im Schlaf können nicht nur beim Schlummern im heimischen Bett lebensgefährlich werden, sondern auch auf der Straße: Autofahrer, die unter der sogenannten Schlafapnoe leiden, haben ein doppelt so hohes Unfallrisiko wie Menschen ohne diese Schlafstörung - weil sie in Notfällen durchschnittlich eine halbe Sekunde später als die Gesunden reagieren. Das haben französische Forscher bei Praxisversuchen auf einer Teststrecke beobachtet.
Stéphanie Mazza vom Schlaflabor der Universitätsklinik Grenoble und ihre Kollegen schickten Probanden mit und ohne Schlafapnoe auf die Auto-Versuchstrecke. Die Teilnehmer mussten dann vor plötzlich auftauchenden Wasserwänden bremsen oder auf Anweisungen der Forscher reagieren. Die Fahrer mit Schlafapnoe waren dabei langsamer und fuhren doppelt so häufig auf ein Hindernis auf wie die Fahrer ohne Schlafprobleme.
Schon bei einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde hat sich nach Angaben der Forscher der Bremsweg um 8,80 Meter verlängert, bei typischem Autobahntempo sogar um rund 18 Meter. Die um eine halbe Sekunde verzögerte Reaktionszeit verdopple also die Gefahr einer Kollision, folgern die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "The European Respiratory Journal".
Menschen mit Schlafapnoe machen nach Angaben der Forscher vier bis sechs Prozent der Bevölkerung aus. Die Patienten schlafen aber nicht einfach nur schlecht: Sie fühlen sich am nächsten Tag oft benommen, können sich nicht konzentrieren oder haben Kopfschmerzen, ständig sind sie müde. Schlafapnoe gilt auch als wichtigste Ursache für den Sekundenschlaf, noch vor unregelmäßiger Schichtarbeit, Drogen- und Alkoholkonsum. Am Steuer kurz einzunicken ist gefährlich: Ein Viertel aller tödlichen Unfälle und ein Drittel der tödlichen Unfälle auf Autobahnen werden auf den Sekundenschlaf zurückgeführt.
Schlafapnoe-Patienten kann eine nächtliche Atemmaske Abhilfe schaffen. Ob sich das Fahrverhalten der Patienten dadurch verbessert, überprüften Mazza und ihr Team in einem Folgetest. Dazu setzten sie zehn Schlafapnoe-Patienten drei Monate lang jede Nacht eine Sauerstoffmaske auf. Bei einem Fahrtest nach dieser Therapie waren den Forschern zufolge dann tatsächlich keine Unterschiede mehr zu den Probanden ohne Atemaussetzern festzustellen.
fba/dpa