Babys: Töchter liegen im Trend - DER SPIEGEL
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Babys Töchter liegen im Trend

In Deutschland deutet sich eine kleine Revolution in Sachen Nachwuchs an: Der Wunsch nach einem Stammhalter nimmt ab. Immer häufiger bevorzugen Frauen Töchter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sehr viel weniger Frauen als noch vor 100 Jahren wünschen sich Söhne. Das ergab eine demographische Studie des Max-Planck-Instituts in Rostock . Weniger die Aussicht auf finanzielle Absicherung der Eltern durch Söhne, als vielmehr die emotionale Versorgung durch Töchter im Alter ist es, was den "Kurswert" von Mädchen steigen lässt.

Das alte chinesische Sprichwort "Töchter sind nicht mehr wert als verschüttetes Wasser" hat in reichen Ländern wie Deutschland längst keine Gültigkeit mehr. Es umreißt aber die in vielen Ländern Asiens und Afrikas noch immer verbreitete Einstellung, nur männlicher Nachwuchs könne den Fortbestand einer Familie sichern.

"Staatliche Maßnahmen zur Einschränkung des Bevölkerungswachstums scheinen allerdings nicht viel daran zu ändern, dass Jungen in asiatischen Ländern bevorzugt werden", meint die Verfasserin der Studie, Hilke Brockmann. Während in China und Südkorea die Geburtenrate sinke, steige gleichzeitig die Abtreibung ungeborener Mädchen. In Europa und Nordamerika hingegen wünschten sich Frauen als Erstgeborenes häufiger ein Mädchen. Dabei spiele - auch in Deutschland - der zunehmende Wohlstand der Menschen eine wichtige Rolle.

Die Demographin hat für ihre Untersuchung Daten von fast 6000 Personen ausgewertet, die in den vergangenen hundert Jahren in Deutschland geboren wurden. Dabei kam heraus, dass sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Frauen einen Sohn wünschten. Das sei an der Zeit abzulesen, die zwischen der Geburt von Geschwistern verging: "War das erste Kind eine Tochter, dauerte es durchschnittlich nur vier Jahre bis zum nächsten Spross. Kam als erstes ein Sohn zur Welt, dann ließen sich die Mütter mehr Zeit für den weiteren Nachwuchs."

Vor der Wende sorgte in den alten Bundesländern der Ausbau des Sozialnetzes für die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Eltern von ihren Kindern. Mädchen waren gleichermaßen wie Jungen willkommen. Anders der Trend in der DDR: Über 65 Prozent der nach 1950 geborenen Frauen, die als erstes Kind einen Jungen zur Welt gebracht hatten, wurden innerhalb von fünf Jahren erneut schwanger. Frauen mit einem erstgeborenen Mädchen hatten es hingegen weniger eilig mit einem zweiten Kind.

Eine Erklärung dafür könnte nach Ansicht Brockmanns im sozial-ökonomischen Status der Frauen in der DDR liegen. Sie waren viel häufiger berufstätig als die Frauen im Westen und konnten also im Alter von ihren Töchtern sowohl finanzielle als auch emotionale Unterstützung erwarten.

Auch in Zukunft wird das Geschlecht der Sprösslinge für Eltern nicht ohne Bedeutung sein, meint Brockmann. "Ob das Wunschkind künftig öfter ein Mädchen oder ein Junge sein wird, hängt in starkem Maß von der Entwicklung der gesellschaftlichen Fürsorgesysteme ab."