Bakterien am Südpol: Überlebenskünstler im ewigen Eis - DER SPIEGEL
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Bakterien am Südpol Überlebenskünstler im ewigen Eis

Dass Bakterien unter widrigsten Lebensumständen existieren können, ist bekannt. Amerikanische Forscher haben am Südpol Exemplare entdeckt, die im Eis der Antarktis überleben und auch biologisch aktiv sind. Der Fund könnte die Diskussion um außerirdisches Leben, etwa auf dem Mars, neu entfachen.
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Ein Forscherteam um Edward Carpenter  von der University of New York in Stony Brook hat im Schnee am Südpol Bakterien gefunden, die der Gattung Deinococcus ähnlich sind und widrigen Bedingungen wie niedrigen Temperaturen und kosmischer UV-Strahlung trotzen und biologisch aktiv sind. Ihre Ergebnisse hat die Forschergruppe im Magazin "Applied and Environmental Microbiology" veröffentlicht.

Edward Carpenter: " Wir waren überrascht, dass die gefundenen Bakterien bei Temperaturen zwischen minus 12 und minus 17 Grad Celsius Stoffwechselaktivitäten zeigten und DNS und Proteine synthetisierten".

Ob sich die Bakterien mit speziellen Enzymen und Membranen an die extremen Bedingungen angepasst haben, wissen die Forscher noch nicht. Allerdings gehen sie davon aus, dass die gefundenen Arten nicht in der Antarktis entstanden sind. Die verwandte Gattung Deinococcus gilt als sehr früher Zweig im Stammbaum der Bakterien und dürfte bereits lange vor dem Zeitraum bestanden haben, als die Antarktis in ihre heutige Position driftete. Das war vor 60 Millionen Jahren.

"Wenn sich die Ergebnisse des Teams als richtig herausstellen", kommentiert die National Science Foundation  (NSF) die Funde, "hat die Entdeckung nicht nur Einfluss auf die Suche nach Leben unter extremen Bedingungen auf der Erde, sondern auch auf die Wahrscheinlichkeit, dass Leben - zumindest im mikroskopischen Bereich - irgendwo anders im Sonnensystem existieren könnte." Etwa in den Eisschichten auf dem Mars oder auf dem Jupitermond Europa, wo ähnliche Lebensbedingungen herrschen, könnten ähnliche Mikroben existieren. Um eine mögliche Kontamination des Monds Europa mit irdischen Bakterien durch die im Jupitersystem kreisenden Weltraumsonde Galileo zu verhindern, plant die Nasa, den Flugkörper gezielt auf dem Jupiter abstürzen zu lassen.

Im vergangenen Jahr waren bereits von einer anderen Forschergruppe um Senjie Lin von der Universität Connecticut Bakterien in Antraktiseis-Bohrkernen entdeckt worden. Direkt über dem unterirdischen Vostok-See hatten die Wissenschaftler Bakterien gefunden, die Zeichen biologischer Aktivität zeigten, sich aber nicht vermehrten.