Bienen: Retten Killerbakterien die Honigbienen? - DER SPIEGEL
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Manfred Dworschak

meinung •Bienen Retten Killerbakterien die Honigbienen?

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine zwei Bienenvölker sind, soweit erkennbar, mit meinen Dienstleistungen als ihr Hausmeister zufrieden. Sie leben auf einer städtischen Wiese, wo sie im Umkreis genug Nahrung finden, und sie dürfen ihren Honig großteils behalten. Aber dreimal im Jahr muss ich die Bienen ziemlich strapazieren: Ich behandle sie über Tage und Wochen mit organischen Säuren. Die Völker überleben die Prozedur, und das ist schon das Beste, was man darüber sagen kann.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich habe kaum eine Wahl. Die Säureattacken gelten den Varroamilben, die in den Stöcken hausen. Ließe ich die Bienen in Ruhe, vermehrten die Parasiten sich ungebremst - die Völker würden mit hoher Wahrscheinlichkeit kollabieren. Alle Imker müssen deshalb ihre Bienen behandeln, seit die Milbe sich vor Jahrzehnten in Europa ausbreitete. Und bislang schien es, als sollte das in alle Ewigkeit so weitergehen.  

Foto:

Shutterstock

Jetzt aber wecken Forscher an der Universität von Austin in Texas neue Hoffnungen - mit einem wahrhaft diabolischen Trick: Sie haben Bakterien, die natürlicherweise im Verdauungstrakt aller Bienen leben, genetisch manipuliert.  Diese Besiedler produzieren fortan winzige Gensequenzen, die für Milben tödlich sind. Die Bienen, an sich wehrlos, verwandeln sich dadurch gewissermaßen in Milbenkiller. 

Denn wenn jetzt die Parasiten an ihren Wirtstieren fressen, nehmen sie dabei auch die für sie fatalen Moleküle auf. Und deren Wirkung im Körper der Milben ist erstaunlich: Sie zerschneiden lebenswichtige Gene in den Zellen. Die meisten Varroen gehen binnen weniger Tage ein. 

Bislang gelang das nur im Labor, mit Gruppen von bis zu 100 Bienen. Es ist aber gut möglich, dass sich die manipulierten Bakterien wie von selbst über ganze Bienenvölker ausbreiten. Die wären dann im Idealfall auf Dauer vor den Milben geschützt - eine Erlösung auch für die Imker: einmal behandeln und fertig.  

Foto: Kage Mikrofotografie/ OKAPIA

So sieht das jedenfalls der Bienenforscher Robert Paxton von der Uni Halle; ich habe für unser aktuelles Heft mit ihm gesprochen. Der Experte bescheinigt dem Verfahren der Kollegen in Texas das Potenzial einer „Wunderwaffe“  - mit aller nötigen Vorsicht. Denn natürlich muss noch lange und intensiv geforscht werden, bevor man das Risiko eingehen kann, gentechnisch veränderte Bakterien ins Freiland zu entlassen. Unter anderem gilt es auszuschließen, dass diese Mikroorganismen auf andere Insekten überspringen. Und das ist nur eines von vielen Problemen, die einer Lösung bedürfen. 

Dennoch könnte, mit viel Glück, eines Tages ein ausgereiftes und sicheres Verfahren bereitstehen, das die Honigbienen von ihrer größten Plage befreit. Dann geraten die Freunde der pelzigen Sympathieträger in ein ethisches Dilemma, denn viele von ihnen lehnen auch jegliche Gentechnik prinzipiell ab. Wenn es aber nun um die Rettung der Bienen geht? Dürfte man dann ein bisschen Genmanipulation an Bakterien in Kauf nehmen? Ich wäre gespannt auf die Debatte. 

Herzlich 

Ihr Manfred Dworschak

(Feedback & Anregungen? ) 

Abstract 

Meine Leseempfehlungen dieser Woche 

  • Manchmal ist ein auffälliges Erscheinungsbild die beste Tarnung.  Das gilt auch für viele knallbunt schillernde Insekten. Forscher haben herausgefunden, dass gerade dieses Irisieren in allen Farben des Regenbogens vor Fressfeinden schützen kann: Im Gebüsch etwa, wenn ein Lüftchen hindurchstreicht, sind die Insekten im flirrenden Lichtspiel der Blätter kaum noch auszumachen.  

  • Robotern mag noch eine Menge fehlen, bis sie sich im menschlichen Alltag nützlich machen können. Aber jetzt haben sie immerhin zu Kühlungszwecken das Schwitzen gelernt , und sie sind richtig gut darin.   

  • Dass man Kinder besser für Erreichtes lobt, als für Verfehltes ausschimpft, hat sich zum Glück herumgesprochen. Aber es kann nicht schaden, die Macht des Lobens  genauer zu vermessen. Eine Studie an 2536 Kindern in drei amerikanischen Grundschulen hat das getan. Der Befund: Je mehr die Lehrer begründet lobten (und je weniger sie tadelten), desto aufmerksamer und ausdauernder folgten die Schüler dem Unterricht. 

  • Auf den Weltmeeren sind leider viele illegale Fischer unterwegs, aber jetzt müssen die Übeltäter mit einem ernst zu nehmenden Gegner rechnen: Albatrosse suchen im Auftrag von Forschern große Wasserflächen ab . Die Vögel wurden für das Pilotprojekt mit Geräten ausgestattet, die Alarm schlagen, sobald sie ein Schiffsradar in der Nähe orten. Für diesen Patrouillendienst sind die meisterhaften Segler eine ideale Besetzung: Sie kommen weit auf dem Meer herum, und für Fischerboote interessieren sie sich ganz besonders. 

  • Wenn auf der Erde die Temperaturen steigen, wird es in vielen Weltgegenden zu warm für den Weinbau. Dank einer aufwendigen Modellrechnung wissen wir nun, was das für elf beliebte Rebsorten bedeutet - traditionelle Anbaugebiete müssen aufgegeben werden; dafür kommen neue hinzu, wo es kühler ist. Aber unterm Strich dürften die tauglichen Flächen empfindlich schrumpfen. 

Quiz* 

  1. Was besagt das „Gesetz des Urinierens“? 

  2. Wie weit könnte ein Mensch auf dem Erdball maximal geradeaus laufen, ohne in einen Ozean oder ein größeres Gewässer zu geraten? 

  3. Was ist eine Fetthenne? 

    a) ein Legehuhn mit Adipositas  

    b) ein katalanisches Ofengericht  

    c) eine Pflanze mit dickfleischigen Blättern 

* Die Antworten finden Sie ganz unten im Newsletter. 

Bild der Woche 

Wie Neuschnee legte sich die Asche über die Häuser, Straßen und Felder von Batangas südlich der philippinischen Hauptstadt Manila, als der Vulkan Taal am 12. Januar ausbrach; das weite stumpfe Grau verwandelte die Region in eine Endzeitlandschaft. Gut 42 Jahre ist es her, dass die Erde dort das letzte Mal Feuer spie. Die jüngste Eruption versetzte die Behörden in Alarmbereitschaft, Zehntausende Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. 

Foto: Ezra Acayan/ Getty Images

Fußnote

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Verkehrstote fordert die Umstellung auf die Sommerzeit jährlich allein in den USA. In der Arbeitswoche danach steigt das Risiko tödlicher Unfälle im Durchschnitt um sechs Prozent; die meisten ereignen sich in den Morgenstunden. Wenn der Tag eine Stunde früher beginnt, leidet darunter offenbar die Aufmerksamkeit im Verkehr. Das ergab eine Studie von Schlafforschern an der University of Colorado in Boulder. 

SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft 

  • Weltraum:  Fliegender Schrott im All bedroht lebenswichtige Satelliten

  • Verkehr:  Minibatterie plus Minimotor - so will ein österreichischer Ingenieur das Elektroauto endlich öko machen

  • Physik:  Warum der beste Computer der Welt nur bis vier zählen kann

  • Ökologie:  Die verborgene Welt der Süßwasser-Giganten

*Quizantworten:  

  1. Alle Säugetiere mit einem Gewicht über drei Kilogramm brauchen etwa 21 Sekunden, um ihre Blase zu entleeren. Das Gesetz gilt für Elefanten, Pferde, Menschen oder Katzen gleichermaßen - und das, obwohl die Blase eines Elefanten 18 Liter Urin fasst und die einer Katze gerade mal 5 Milliliter. 

  2. 13.589 Kilometer. Die Strecke verläuft vom westafrikanischen Liberia durch die Sahara, den Irak und Afghanistan an die chinesische Ostküste. 

  3. c) ist richtig, wissenschaftlicher Name: Sedum. Die Pflanzengattung gehört zur Familie der Dickblattgewächse.