Biotechnik: Bakterien machen blau - DER SPIEGEL
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Biotechnik Bakterien machen blau

Mit Hilfe von Bakterien könnten Jeans bald umweltfreundlicher eingefärbt werden: Forscher haben Mikroben dazu gebracht, ein strahlendes "Bio-Indigo" zu produzieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer in Zukunft Jeans kauft, könnte das modische Blau den Ausscheidungen von Bakterien verdanken. Ein Forscherteam der Biotech-Firma Genencor International im kalifornischen Palo Alto will gewöhnliche Mikroorganismen derart manipuliert haben, dass sie Indigo von bester Qualität herstellen können - und das auf relativ umweltverträgliche Weise.

Ursprünglich wurde der für die typische Jeansfarbe verantwortliche Farbstoff aus Pflanzen gewonnen. Heute entsteht synthetisches Indigo auf der Basis von Kohle oder Öl, wobei jedoch giftige Nebenprodukte anfallen können. Falls sich die Mikroben-Methode industriell einsetzen lässt, könnte sie eine grüne Alternative zur derzeitigen Pigmentproduktion darstellen.

Bei dem Verfahren, das die Wissenschaftler im Fachblatt "Journal of Industrial Microbiology & Biotechnology" vorstellen, kommt das Darmbakterium Escherichia coli zum Einsatz. Es stellt von Natur aus die Aminosäure Tryptophan her, die dem Indigo-Molekül bereits ähnelt. Durch Genmanipulationen erreichten die Forscher, dass die Mikrobe besonders viel Tryptophan produziert und in Indoxyl umwandelt. Dieses Vorläufermolekül wiederum oxidiert an der Luft zu Indigo.

Die Idee, Bakterien für die Indigoherstellung zu nutzen, ist zwar nicht ganz neu, doch bisher schieden die Mikroben den Farbstoff mit einem Rotstich aus. Durch eine zusätzliche Erbgutkorrektur wollen die Forscher diesen Schönheitsfehler nun behoben haben: Das "Bio-Indigo" sei von dem Chemieblau "nicht zu unterscheiden", versicherte Douglas Crabb, Vizepräsident von Genencor, der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Nature".

Allerdings haben die mikroskopisch kleinen Färberknechte wohl nur eine Chance, wenn sich das Verfahren in großem Maßstab und zudem kostengünstig anwenden lässt. Daran aber arbeiten die Wissenschaftler von Genencor International noch: Die Effizienz des Prozesses müsse noch verbessert werden, räumte Crabb ein.