Biotechnik: Neue Augen aus dem Reagenzglas - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Biotechnik Neue Augen aus dem Reagenzglas

Lassen sich in Zukunft menschliche Sinnesorgane im Labor herstellen? Japanische Forscher glauben daran - und haben jetzt zum ersten Mal Froschaugen und -ohren im Reagenzglas gezüchtet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Das Forscherteam der Universität Tokio hatte tausende so genannter embryonaler Stammzellen für fünf Tage in Vitamin-A-Säure kultiviert. Diese Zellen des Froschembryos besitzen die Fähigkeit, sich in praktisch jeden Gewebstyp des Froschkörpers zu verwandeln. Indem sie die Konzentration der Lösung veränderten, konnten die Wissenschaftler unterschiedliche genetische Instruktionen in den Zellen aktivieren. Eine niedrigere Konzentration unterstützte die Gene, die für die Produktion von Augen zuständig sind, während eine höhere Konzentration das für die Ohren zuständige Erbmaterial aktivierte. Diese Methode unterscheidet sich vom Klonen, bei dem von einer Zelle eine originalgetreue Kopie gezüchtet wird.

Dem Biologen Makoto Asashima zufolge war es das erste Mal, das Forscher die Augen oder Ohren eines Tieres im Reagenzglas erzeugen konnten. Von ihrer Forschungsarbeit erhoffen sich die japanischen Wissenschaftler Vorteile vor allem für die Transplantationsmedizin. Die von ihnen entwickelte Methode sei eine Alternative zu Spender-Organen, glaubt Asashima.

Mit einem einfacheren Verfahren hätten die Forscher zuvor schon Froschnieren hergestellt, die sie in andere Frösche verpflanzt hätten, sagte der Forscher. Die Tiere hätten danach über einen Monat lang überlebt. Wissenschaftler sind derzeit schon in der Lage, menschliche Haut aus den eigenen Zellen eines Patienten zu züchten - ein Verfahren, das bereits in den USA, Europa und Japan praktiziert wird.