Blühendes Geschäft Penisverlängerung
Frankfurt/Main - Lang, mit großem Umfang und allzeit bereit - so wünschen sich die meisten Männer ihren Penis. Immer mehr Männer, die ihr Glied für zu klein halten, verlangen mittlerweile nach einer so genannten Augmentation, also einer Penisverlängerung. "Allein in unserer Ambulanz haben wir jede Woche fünf Fälle, die eine operative Penisverlängerung aus ästhetischen Gründen wünschen", sagt der Urologe Michael Sohn vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt.
Seinen Anfang nahm der Trend vor ungefähr zehn Jahren in den USA. Auch in Europa ist die Penisverlängerung seitdem zu einem blühenden Geschäft der plastischen Chirurgie geworden. Doch der Eingriff ist mit enormen Risiken verbunden: Impotenz, Infektionen, Penisverkürzung durch Narbenbildung und Taubheitsgefühle können nach der Operation auftreten. "Von dem Eingriff aus rein ästhetischen Gründen ist daher dringend abzuraten", warnen die Wissenschaftler.
Penis-Stretcher
Wird eine Operation trotz aller Risiken vorgenommen, zieht der Chirurg das Glied aus dem Bauchraum etwas heraus. "Optisch erscheint dann der Penis drei Zentimeter größer", sagt der Hamburger Urologe Porst. Bei dem Eingriff muss der so genannte Penishalteapparat durchtrennt werden, so dass das Glied im erigierten Zustand an Stabilität verliert. Der Penis steht dann nicht mehr im 90- bis 120-Grad-Winkel ab, sondern nur noch im 60- bis 70- Grad-Winkel. "Ein spontanes Eindringen in die Scheide ist dann nicht mehr möglich", sagt Porst. Da müsse mit der Hand immer nachgeholfen werden.
Und mit der Operation selbst ist es dann noch nicht getan. Um den Penis aus dem Bauchraum herauszuziehen, muss der Patient über Monate sechs bis zwölf Stunden am Tag einen so genannten Penis-Stretcher anlegen. Die Geräte, eine Stangen- und Scharnierkonstruktion, können dabei 1200 Gramm Zugkraft auf das Glied ausüben. Laut Herstellerangaben soll dies schmerzfrei und erfolgreich sein. "Das ist aber bis jetzt noch nicht klar bewiesen", sagt Sohn.
Zudem ist der als zu kurz empfundene Penis fast immer nur ein psychisches Problem. "Die meisten Männer mit dem Wunsch nach einer Penisverlängerung sind eigentlich gut ausgestattet und liegen im oberen Normalbereich", berichtet Porst. Normal seien erigierte Penisgrößen zwischen elf und 18 Zentimetern. Die durchschnittliche Penislänge im erigierten Zustand liege zwischen 12,8 und 13,8 Zentimetern.
Doch oft ist die Länge bei einer Erektion gar nicht das Problem. Eine Reihe dieser Männer empfindet laut Porst ihr Glied im Ruhezustand als zu klein. "Man merkt das mit den Blicken auf die Hose", heiße es dann immer wieder beim Urologen. "Oft haben sich diese Männer bereits in der Kindheit eingebildet, dass ihr Penis kürzer ist als bei anderen", sagt der Wissenschaftler.
Den Frauen scheint die Penislänge ziemlich egal zu sein
"Die Männer werden nicht von ihren Frauen zur Penisverlängerung geschickt", sagt Sohn. Es komme jedoch öfter vor, dass Männer sexuelle Probleme oder Anfängerschwierigkeiten im Bett auf ihren vermeintlich kurzen Penis schöben. In der Sprechstunde empfehle er den Patienten dann immer wieder eine sexualmedizinische Beratung. "Wer ein funktionierendes Sexualleben hat, kommt dagegen sehr selten mit dem Wunsch nach einer Penisverlängerung", sagt der Wissenschaftler.
"Letztendlich kann eine Penisverlängerung bei Erektions-Längen unter zehn Zentimeter aus medizinischen Gründen begründet sein", betont Porst. Denn bei dieser Größe empfänden Frau und Mann beim Geschlechtsverkehr tatsächlich wenig. Auch bei einem missgestalteten Glied, bedingt durch Vererbung oder Unfälle, könne ein Eingriff sinnvoll sein. Solche Fälle seien jedoch extrem selten.