BSE-Risiko: Wie gefährlich ist der Boden? - DER SPIEGEL
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BSE-Risiko Wie gefährlich ist der Boden?

Als "reine Spekulation" haben Forscher den Verdacht bezeichnet, im Boden lauere eine bislang sträflich vernachlässigte BSE-Gefahr. Grund zur Panik bestehe nicht.
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Berlin/Kiel - Die Warnungen von Bodenschützern, BSE-Erreger könnten sich "begründeten Hinweisen" zufolge auch über Böden und Weiden verbreiten, haben unter Wissenschaftlern zu einer heftigen Kontroverse geführt. Für einen derartigen Übertragungsweg gebe es, so meint beispielsweise das Berliner Robert-Koch-Instituts, bisher keine Hinweise.

In Großbritannien seien von der Viruskrankheit immer nur zwei oder drei Rinder einer Herde betroffen gewesen, sagte die Sprecherin des Instituts, Susanne Glasmacher, am Donnerstag. Dennoch solle diese Frage wissenschaftlich genau untersucht werden.

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats Bodenschutz der Bundesregierung, Hans-Willi Thoenes, hatte am Mittwoch erklärt, es gebe einen "hinreichenden Verdacht", dass der BSE-Erreger langfristig in Böden überdauere. Deshalb sollten beispielsweise die Weiden von BSE-infizierten Rindern unter Quarantäne gestellt werden.

Experten der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere halten dies dagegen für sehr unwahrscheinlich. "Diese Hypothese ist eine Spekulation - mehr nicht", sagte der Tierarzt Bernd Haas am Donnerstag in Tübingen.

Haas erinnerte daran, dass die verwandte Krankheit Scrapie bei einigen Schafen auf Island über die Nachgeburt übertragen worden sei. Bei Rindern fehle aber bisher jeder Nachweis, dass BSE-Erreger über den Kot oder die Nachgeburt weitergegeben worden seien. Außerdem habe die Zahl der Erkrankungen in Großbritannien in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, seit die Futtermittelkette mit Tiermehl durchbrochen worden sei.

Auch der Präsident der Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten, Hans-Wilhelm Doerr, warnt angesichts der neuen Erkenntnisse vor Panik. Gras und damit Weideland könne im Prinzip mit Infektionserregern befleckt sein, sagte Doerr am Donnerstag im Norddeutschen Rundfunk. Die Sperrung von Grasflächen hält Doerr allerdings für verfehlt.

Er sehe bisher "ein rein theoretisches Risiko", sagte der Experte. Auch hätten die Wissenschaftler die Gefahren bisher im Großen und Ganzen nicht unterschätzt. Deutschland werde nicht mehr BSE-Fälle unter Rindern haben als die Schweiz, sagte Doerr. Dort seien schon etliche Erkrankungen aufgetreten, aber es habe keine Epidemie gegeben wie in England.

Der Münchner BSE-Experte Hans Kretzschmar sieht ebenfalls keinen Hinweis, dass BSE-Erreger über Weiden und Böden weitergegeben werden. "Wenn das wirklich so wäre, dann würde man erwarten, dass in Großbritannien zahlreiche Tiere erkrankt sind, weil sie sich über die Weiden angesteckt haben", so der Leiter des Instituts für Neuropathologie an der Universität München am Donnerstag im "DeutschlandRadio Berlin".

Kretzschmar geht sogar noch einen Schritt weiter: Er halte es nicht für notwendig, generell auf Rindfleisch zu verzichten. Muskelfleisch vom Rind könne gegessen werden. "Manche Leute sagen, es sei bewiesen, dass in der Muskulatur überhaupt keine Erreger vorhanden sind. Ich denke, es ist nicht richtig bewiesen", so der Forscher. "Bewiesen ist, dass ein Erreger in der Muskulatur - wenn er überhaupt vorhanden ist - nur in sehr, sehr geringen Mengen vorhanden sein kann."

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