Bytes statt Licht Astronomen planen virtuelle Sternwarte
Das Nationale Optische Astronomie-Observatorium (NOAO) der USA schlägt vor, eine virtuelle Sternwarte im Internet einzurichten. Mit deren Hilfe könnten Forscher auf die Aufnahmen von Fernrohren, Röntgen-Observatorien und des Weltraumteleskops Hubble zugreifen, sagte Planungs- und Entwicklungsdirektor Stephen Strom. Die Pläne sollten in dieser Woche bei einem Treffen der amerikanischen Gesellschaft für Astronomie in San Diego vorgestellt werden.
Bereits innerhalb von fünf Jahren könne ein solches Projekt für die USA verwirklicht werden, sagte Strom. Die Kosten beliefen sich auf etwa 25 Millionen Dollar. Bis zum Jahr 2010 könne das Internet-Observatorium auf die ganze Welt ausgeweitet werden.
Zurzeit gebe es eine Revolution bei der Himmelsbeobachtung, sagte Strom. Die Zahl der entdeckten Himmelskörper verdoppele sich alle 18 Monate. Entsprechend schnell entwickelten sich die Datenmengen zu Weltraumbeobachtungen. In etwa zehn Jahren werde sich die Zahl der gespeicherten Daten vertausendfachen.
Wenn alle diese Daten online verfügbar seien, wäre eine bislang unbekannte Genauigkeit bei der Darstellung von Himmelsphänomenen möglich, sagte George Djorgovski vom California Institute of Technology. So könnten Forscher beispielsweise Digitalfilme über schnell fliegende Himmelsobjekte wie Kometen oder Asteroiden erstellen, selbst wenn deren Flugbahnen am Rande unseres Sonnensystems verliefen. Auf diese Weise wäre es möglich, eine Gefahr für die Erde frühzeitig zu erkennen.
Probleme sieht Strom vor allem auf kulturellem Gebiet. Zwar stelle die US-Raumfahrtbehörde Nasa schon seit langem viele Daten über ihre Mission ins Netz. Mitarbeiter von Sternwarten betrachteten ihre Forschungsergebnisse dagegen oft als Privatbesitz. Strom: "Uns fehlt eine Kultur des breiten öffentlichen Zugangs."