Computer im Menschen Wenn der Urin blau wird
Sie sollen einmal in jeder Zelle des menschlichen Körpers ihre Arbeit tun, nach Bakterien Ausschau halten und auch gleich das passende Antibiotikum verabreichen. Seine Vorstellung von neuartigen "Bio-Computern" hat Ehud Shapiro, Mathematiker und Computer-Wissenschaftler am Weizmann Institut of Science , jetzt publik gemacht - in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "New Scientist ".
Shapiro folgt bei seinen Überlegungen dem Prinzip der "universellen Turing-Maschine", einem mathematischen Gedankengerüst, das sich der britische Wissenschaftler Alan Turing bereits im Jahr 1936 ausgedacht hat. Die Grundidee der Turing-Maschine als Modell, das ein mathematisches Problem erkennt und abhängig davon selbstständig eine bestimmte Tätigkeit ausübt, lässt sich Shapiro zufolge auch auf die Zellbiologie übertragen.
Der Wissenschaftler glaubt, dass einfache Zellbausteine wie zum Beispiel Aminosäuren die Aufgabe einer Turing-Maschine übernehmen können: Sie "lesen" das chemische Programm, das in bestimmten, potenziell gefährlichen Molekülen enthalten ist, und errechnen daraus die Antwort der Zelle - in Form eines neuen Moleküls. Ein ähnliches Prinzip wenden Zellen, so Shapiro, schon heute an, indem sie die in der menschlichen Erbsubstanz DNA gespeicherten Informationen verarbeiten, um daraus Proteine herzustellen.
"In 20 bis 50 Jahren sollten wir wissen, wie wir Zellen programmieren können, damit sie solche Computer selbst herstellen können", sagt Shapiro. Seine Vision: Die Bio-Computer könnten die biologischen Bedingungen in den Zellen analysieren und selbst die passenden Arzneimittel produzieren. Doch damit nicht genug: Falls die Zellen sich nicht selbst helfen können, sollen sie Alarm schlagen - zum Beispiel, so Shapiro, in Form von farbigem Urin.
"Theoretisch ist alles möglich", sagt der Mathematiker. Seine Kollegen sind da skeptischer. Wie "New Scientist" berichtet, bezweifeln zahlreiche Wissenschaftler, ob Shapiros Modell jemals Wirklichkeit werden könnte.