Computermodell Flirt-Protze helfen der Menschheit
Wenn Richard Ecob von "Super-Datern" redet, steckt dahinter nicht Lebenserfahrung oder Psychologie, sondern harte Teilchenphysik. Gemeint sind Singles, die viele kurze Beziehungen haben - und damit auch allen anderen Menschen einen Dienst erweisen. Denn durch ihr aktives Liebesleben brechen sie verkrustete Beziehungen auf, in denen die Chemie sowieso nicht mehr stimmt. Auf diese Art, glaubt Ecob, zwingen sie ihre Flirtopfer zur Suche nach besseren Partnern.
Der Ursprung für Ecobs Theorie der "Super-Dater" liegt in der Physik der Atome. Die werden nach dem Zustand ihres Zerfalls beschrieben, also je nachdem, wie viele Änderungen sie erfahren haben. Ecob verglich die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in zwei Beziehungen war, mit der eines zweimal zerfallenen Atomkerns.
"Wir hatten Hinweise entdeckt, dass diese Wahrscheinlichkeit gleich sein könnte", sagte Ecob. "Und als wir es grafisch dargestellt haben, waren die Kurven sehr ähnlich." Um das Phänomen zu veranschaulichen, schrieb der Forscher ein Computerprogramm, das Singles auf Partnersuche in ein virtuelles soziales Umfeld setzte. Jedem der Singles gab Ecob bestimmte Interessen, die auch der potentielle Partnern haben sollte.
Die Computerstudie überraschte den Jungforscher, der gerade sein Physikstudium an der University of Oxford absolviert hat. Demnach sind Singles, die viele Verabredungen haben, bei der Suche nach dem Partner fürs Leben weniger effektiv als Menschen, die an einem Ort bleiben und sich ansprechen lassen. "Man muss sich ein komplexes Netzwerk vorstellen", erklärt Ecob. "Wenn man da an einer Position bleibt, erlebt man mehr Durchgangsverkehr."
Auch wenn Ecob die Ansprüche der virtuellen Singles veränderte, hatte das keine Auswirkungen darauf, ob eine Beziehung zustande kam. Bei Singles mit hohen Ansprüchen blieb die Zahl der potentiellen Übereinstimmungen konstant. Das gleiche galt für solche, die zu Verabredungen mit Partnern bereit waren, die nur einige ihrer Interessen teilten.
So bestärkt Ecobs Modell einen alten Verdacht: Singles mit zahlreichen Verabredungen genießen zwar das Image moderner Abenteurer, müssen deshalb aber nicht glücklicher sein. Allerdings können sie Ecob zufolge in dem Bewusstsein leben, zum Glück ihrer weniger umtriebigen Zeitgenossen beizutragen.