Computerpanne: ISS verliert den Kontakt - DER SPIEGEL
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Computerpanne ISS verliert den Kontakt

Eigentlich war ja die mittlerweile versenkte Raumstation "Mir" für ihre Computerfehler bekannt. Doch auch die moderne ISS ist offensichtlich nicht perfekt. Selbst die Toilettenspülung funktioniert nicht richtig.
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Cape Canaveral - An Bord der Internationalen Raumstation ISS hat sich ein schwerer Computerfehler ereignet. Der Zentralrechner, der alle Funktionen im amerikanischen Modul überwacht, lässt sich nicht mehr steuern.

Wie die US-Weltraumbehörde mitteilte, funktionieren auch das Backup-System sowie ein drittes Sicherungssystem nicht mehr. Für die Besatzung bestehe aber keine Gefahr. Die untergeordneten Computer und Steuerelemente arbeiteten weiter, so dass Licht, Heizung und Luftversorgung funktionierten. Das russische Servicemodul sei ebenfalls nicht betroffen, die Crew könne dorthin ausweichen.

Die Toiletten scheinen allerdings in Mitleidenschaft gezogen worden sein: Die Astronauten müssen Berichten zufolge Urin in Beutel abfüllen, anstatt die Abfälle wie üblich automatisch im Weltall zu entsorgen.

Die Bodenstation bemühe sich, die Rechner wieder in Gang zu bringen. Die Nasa-Wissenschaftler konnten keine Erklärung für die Probleme geben, zeigten sich aber zuversichtlich, die Rechner in ein, zwei Tagen wieder reparieren zu können. Offensichtlich, so erste Analysen, können alle drei Rechner keine Verbindung zu einer Festplatte aufbauen, auf der wichtige Daten zur Steuerung der Station gespeichert sind.

Betroffen ist unter anderem die Kommunikation mit der Bodenstation, da sich durch den Ausfall des Rechners die Antennen nicht mehr ausrichten lassen. Dies stellt die Computerexperten im Kontrollzentrum vor weitere Probleme: Ohne eine direkte Verbindung zu den gestörten Rechnern können auch keine Diagnoseprogramme gestartet werden.

Auf Live-Videobildern, die von der Raumfähre "Endeavour" übertragen wurden, war zu sehen, wie die Astronauten ganz normal weiter ihrer Arbeit nachgingen und Ausrüstungen umpackten. Von Aufregung ist auch im Funkverkehr wenig zu spüren. "Sieht so aus, als würdet ihr da unten heute wenig Schlaf bekommen", meldete sich die Astronautin Susan Helms. "Nein, aber ich kann Euch versichern, jeder, der auch nur etwas Ahnung von Computern hat, arbeitet gerade an der Lösung des Problems", funkte Flugdirektor Mark Ferring zurück.

Die streikenden Computer haben auch Auswirkungen auf geplante Kurskorrekturen: Eigentlich sollte mit Hilfe der Steuerdüsen der "Endeavour" die Station in eine höhere Umlaufbahn befördert werden. Doch die ISS zeigt sich stur: Bislang ist es nicht gelungen, die Kontrolle über die Station auf das Shuttle zu übertragen.

Wegen des Ausfalls mussten auch wichtige Tests mit dem neuen Roboterarm ausfallen. Die Nasa schloss deshalb nicht aus, die Mission der Raumfähre "Endeavour" um einen Tag zu verlängern. Ursprünglich sollte die Fähre am Samstag abdocken.

Ebenfalls für Samstag ist momentan der Start des ersten Weltraumtouristen, des US-Millionärs Dennis Tito, geplant. Nach derzeitigen Plänen sollte Titos "Sojus"-Kapsel Anfang kommender Woche an die ISS andocken. Sollte dagegen die "Endeavour"-Mission verlängert werden, muss der 61-Jährige möglicherweise einige Tage länger auf seinen Flug ins All warten.

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