Depressionen Der "Herbst-Blues" ist normal
Ein Grund für den so genannten "Herbst-Blues" ist der Lichtmangel. Licht wirke auf die Produktion des körpereigenen Hormons Melatonin, das unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus des Körpers beeinflusse, so Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Universität München. Symptome wie zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung oder Heißhunger auf Süßes sind in den Augen des Experten demnach keine Besonderheit in der herbstlichen Jahreszeit. "Eine vorübergehende gedrückte Stimmung ist kein Grund zur Besorgnis", meint Hegerl. In diesem Fall seien vor allem Spaziergänge an der frischen Luft zu empfehlen. Eine Depression, eine schwere medizinische Erkrankung, unterscheide sich aber deutlich von einer melancholischen Herbststimmung: Wenn depressive Beschwerden wie Schlafstörungen und tiefgehende Freud- oder Hoffnungslosigkeit mehr als zwei Wochen anhalten und den Alltag stark beeinträchtigen, sollten die Betroffenen zum Arzt gehen, so der Wissenschaftler.
Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit Depression, die im Herbst tendenziell etwas häufiger als in den anderen Jahreszeiten auftritt. Einige Betroffene erkranken an einer speziellen Variante, der saisonal abhängigen Depression (SAD), die in den Herbstmonaten beginnt und im Frühjahr endet.
Eine Studie der Universität Wien zeigte, dass es diesen Patienten gerade in den Monaten November und Dezember besonders schlecht geht. Auch wenn die saisonal abhängige Depression in nördlichen Breiten häufiger auftrete, beeinflussen nicht nur die Lichtdauer, sondern auch das Klima, genetische und sozio-kulturelle Faktoren die Verbreitung der Erkrankung, meinen Experten.
Eine Lichttherapie mit 10.000 Lux starken Lichtgeräten bringe bei vielen Patienten mit SAD eine Verbesserung. Antidepressiva, spezielle Medikamente, die auch bei anderen Depressionsformen verschrieben werden, seien gerade für schwerere depressive Erkrankungen geeignet.