Depressionen Schwitzen gegen die Schwermut
London - Regelmäßige körperliche Betätigung kann die Stimmung sogar schneller heben als Medikamente, fand das Team um den Sportmediziner Fernando Dimeo von der Freien Universität Berlin heraus. Die Wissenschaftler hatten die Fitness-Therapie an zwölf Patienten mit schweren Depressionen getestet. Über die Ergebnisse berichten Dimeo und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "British Journal of Sports Medicine."
Die Versuchspersonen litten im Schnitt seit neun Monaten an schweren Depressionen. Die Mediziner verordneten den Gemütskranken pro Tag eine halbe Stunde Training auf dem Laufband. Nach 10 Tagen wurde mit einem Test das Ausmaß der Depression ermittelt: Sechs der Patienten fühlten sich deutlich besser - darunter fünf, bei denen eine Behandlung mit Antidepressiva zuvor keine Besserung gebracht hatte. Bei vier Personen blieb die Therapie ohne Ergebnis.
Die Methode biete eindeutige Vorteile gegenüber der Behandlung mit Medikamenten, meinen die Mediziner. Im Gegensatz zu Antidepressiva, die häufig erst nach zwei bis vier Wochen zu einer Besserung führen, zeigt das Fitness-Training in nur wenigen Tagen Wirkung. Zudem könnte die körperliche Betätigung insbesondere solchen Patienten helfen, bei denen chemische Stimmungsmacher komplett versagen.
Dimeo und seine Kollegen betonen, dass es sich um eine relativ kleine Studie handelt. Dennoch seien die Behandlungserfolge viel versprechend: "Die beobachteten Ergebnisse lassen auf einen klinischen Nutzen schließen, der mit den zurzeit verfügbaren pharmakologischen Behandlungen nicht zu erreichen ist", resümieren die Wissenschaftler.