Diabetes bei Kindern: Sind Viren dafür verantwortlich? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Diabetes bei Kindern Sind Viren dafür verantwortlich?

Australische Forscher haben neue Hinweise darauf gefunden, dass Rotaviren eine Ursache für Diabetes in jungen Jahren sein können. Für spätere Impfungen sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Rotaviren treten weltweit - vor allem in den Wintermonaten - auf und verursachen Durchfall. Sie werden durch die Aufnahme in den Mund übertragen. Auf sogenannte Rotaviren reagiere das Immunsystem von Diabetes-kranken Kindern übermäßig stark, berichtet das britische Magazin "New Scientist". Seit längerem wird schon vermutet, dass die Abwehrzellen das Insulin-produzierende Gewebe im Körper mit einem Krankheitserreger verwechseln. Denn beim jugendlichen Diabetes (Typ I) greift das Immunsystem des Kranken auch Insulin-produzierende Zellen an. Der Blutzuckerspiegel kann daher nur reguliert werden, indem die Patienten regelmäßig das Hormon Insulin spritzen.

Ein Team um Margo Honeyman vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research in Melbourne beobachtete 54 Kinder, in deren Familien die Zuckerkrankheit vorkam, vom Säuglingsalter bis zum sechsten Lebensjahr. Zwar waren alle Kinder zeitweilig mit Rotaviren infiziert, doch nur bei den 24 Patienten, die am Typ I Diabetes erkrankten, zeigte sich eine abnorme Reaktion des Immunsystems: Die Zahl der Antikörper, die die Bauchspeicheldrüse attackieren, stieg während jeder Infektion mit Rotaviren drastisch an.

Wie diese Angriffe ausgelöst werden ist noch unklar. Die Viren könnten beispielsweise selbst die Bauchspeicheldrüse schädigen und so indirekt das Immunsystem stimulieren. In diesem Fall würden Impfungen gegen Rotaviren auch das Risiko verringern, an Diabetes zu erkranken.

Möglicherweise sind die Viren aber auch den Insulin-produzierenden Zellen so ähnlich, dass es zu einer Verwechslung kommt. Die Abwehrkräfte, die eigentlich die Vireninfektion bekämpfen, richteten sich dann quasi irrtümlich auch gegen Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Letzteres könnte bedeuten, dass Impfungen gegen Rotaviren die Zuckerkrankheit begünstigen. Bereits vor zwei Jahren hatte Honeyman festgestellt, dass einige Bestandteile der Rotaviren Eiweißen auf den Zellen der Bauchspeicheldrüse ähneln, die die Fehlreaktion des Immunsystems auslösen.