Diabetes Heilung durch umprogrammierte Leber
Wiesbaden/New York - Als nächstes wollen Sarah Ferber und Kollegen vom Institut für Endokrinologie am Chaim Sheba Medical Center in Tel-Hashomer versuchen, auch menschliche Leberzellen umzuprogrammieren und zur Ausschüttung des Hormons zu bringen. Damit wäre denkbar, dass Diabetiker eines Tages nach erfolgreicher Gentherapie ohne Insulinspritzen und schwere Medikamente auskommen könnten. Der neue Ansatz ist im Wissenschaftsmagazin "Nature Medicine" vom Dienstag beschrieben.
Danach bedienten sich die israelischen Wissenschaftler des so genannten Homeobox-Gens PDX-1. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Insulin-Ausschüttung, der Entwicklung der Bauchspeicheldrüse und der Funktion der Inselzellen. Die Forscher übertrugen dieses Gen mit Hilfe von entschärften Schnupfenviren in die Leber von Mäusen mit erhöhtem Blutzucker, einer Vorstufe von Diabetes. Tatsächlich ließen sich die Leberzellen der Mäuse von den eingeschleusten Genen umfunktionieren und übernahmen die Aufgabe der Bauchspeicheldrüse.
Diabetes kann zweierlei Ursache haben. Eine ist die mangelnde Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse, genügend Insulin zur Umwandlung zellulärer Glukose in Körperenergie zu produzieren. Die andere ist das Unvermögen der Zellen, das von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Insulin zu nutzen. Ferber und Kollegen hoffen, mit ihrem neuen Verfahren zumindest die Funktion defekter Bauchspeicheldrüsenzellen durch genetisch manipulierte Leberzellen ersetzen zu können.
In Deutschland liegt die Zahl der Zuckerkranken nach einer jüngsten Studie deutlich über den bisherigen Schätzungen. Statt der angenommenen fünf Millionen müsse man von rund acht Millionen Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) in Deutschland ausgehen, sagte Professor Klaus-Dieter Palitzsch von der Universitätsklinik Regensburg am Montag. Aus seiner Untersuchung an bundesweit 2150 Menschen schließt er, dass mehr als 60 Prozent der Diabetiker zu viele Pfunde auf die Waage bringen. Jeder Fünfte wisse nichts von seiner Krankheit, die schwere Spätschäden an Herz und Nieren bewirken, zur Erblindung führen oder gar Ampuationen erforderlich machen kann.