Dinosaurier: Ungetüm aus dem Computer - DER SPIEGEL
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Dinosaurier Ungetüm aus dem Computer

Mit moderner Technik haben US-Forscher das Skelett eines Triceratops neu rekonstruiert. Das virtuelle Facelifting verhalf dem gehörnten Saurier zu einem größeren Kopf und aufrechtem Gang.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der mächtige Triceratops im Smithsonian's National Museum of Natural History  ist eines der ersten Skelette dieser Art, das je zusammengesetzt und ausgestellt wurde: Bereits 1905 konnten die Massen das urzeitliche Ungetüm bestaunen. Vor zwei Jahren bemerkten Konservatoren in Washington jedoch einen alarmierenden Verfall der Knochen. Damit begann eine aufwendige und etwa 2,2 Millionen Dollar teure Rekonstruktion des gehörnten Pflanzenfressers, die nun abgeschlossen ist und mit einer Ausstellung gefeiert wird.

Das neue Schaustück, das als Kunststoff-Replik und virtuelles Modell zu bestaunen ist, liefert neue Erkenntnisse über den vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Giganten. Ein Team um den Paläontologen Ralph Chapman hatte das vor rund einem Jahrhundert in Wyoming entdeckte Skelett komplett auseinander genommen und die Knochen mit einem Laser genau vermessen. Anhand der Daten entstanden zunächst kleinere Modelle im Maßstab 1:6, mit denen die Forscher zum Beispiel mögliche Positionen der Schultergelenke erproben konnten.

Bei ihrer Arbeit entdeckten Chapman und seine Kollegen, dass die Knochen des ursprünglichen Ausstellungsobjektes von mindestens zwölf verschiedenen Triceratops-Exemplaren stammten. Der Schädel gehörte offenbar zu einem Jungtier, er wurde in der Endfassung um 15 Prozent vergrößert. Außerdem korrigierten die Forscher Vorurteile ihrer Vorgänger: Beim alten Skelett waren die Vorderbeine, entsprechend der damaligen Vorstellung von Sauriern als kaltblütige Reptilien, wie bei einer Echse zur Seite ausgestellt. Der neue Triceratops darf dagegen aufrechter gehen.

Erst jetzt sieht der Triceratops wie ein echtes Tier aus, meint Chapman. "Es kommt einem vor, als würde man das Skelett eines Nashorns, eines Pferdes oder einer Kuh anschauen", schwärmt der Forscher. Die neue Rekonstruktion ist nicht nur für die Besucher, sondern auch für Forscher im Ausland attraktiv: Als erster "digitaler Dinosaurier", so das Museum, kann der Triceratops bequem per E-Mail verschickt werden.