Down-Syndrom: Gene am Pranger - DER SPIEGEL
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Down-Syndrom Gene am Pranger

Forscher haben mit Hilfe menschlicher Stammzellen Gene dingfest gemacht, die offenbar für die Entstehung des Down-Syndroms verantwortlich sind. Die Mediziner erhoffen sich nun neue Behandlungsmethoden.
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Mit Hilfe von Stammzellen waren die Wissenschaftler der Universitäten von Cambridge, Wisconsin-Madison und London in der Lage, frühe Entwicklungsprozesse des menschlichen Gehirns zu erkunden. Die Ergebnisse, veröffentlicht im britischen Fachmagazin "The Lancet", werfen nach Angaben des Forscherteams Licht auf einige der wichtigsten zellulären und molekularen Prozesse, die das Down-Syndrom verursachen. Die Studie ist dem Bericht zufolge die erste ihrer Art, die auf Versuchen mit menschliche Zellen basiert.

Die Untersuchung wurde laut Co-Autor Clive Svendsen durch neueste Fortschritte möglich, die erlauben, Stammzellkulturen anzulegen und ihre Entwicklung zu Gehirnzellen zu beobachten. In Down-Syndrom-Zellen entdeckten die Forscher eine stark verminderte Bildung von Nervenzellen. Auch seien die Nervenfasern der kranken Zellen missgebildet und kürzer als die ihrer gesunden Pendants. Indem die Wissenschaftler die aktiven Gene in beiden Zellkulturen miteinander verglichen, hätten sie die Erbinformationen identifizieren können, die wahrscheinlich für die Entstehung des Down-Syndroms verantwortlich seien.

In Deutschland sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 30.000 und 50.000 Menschen vom Down-Syndrom betroffen. Bisher, so Svendsen, habe man bei dessen Erforschung nur über Zellkulturen von Mäusen verfügt. "Jetzt haben wir eine Quelle menschlicher Stammzellen mit einem überzähligen Chromosom 21, die unbegrenzt vergrößert und von vielen Wissenschaftlern genutzt werden kann." Svendsen glaubt, dass die Entdeckung der für das Down-Syndrom verantwortlichen Gene bessere Behandlungsmethoden und möglicherweise auch Gentherapien ermöglichen könnte.

Markus Becker