Drittmittel Die Abhängigkeit wächst
Der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Fragen der Hochschulpolitik berät, führte von 1993 bis 1998 eine Untersuchung über die finanzielle Situation deutscher Hochschulen durch. Vorgestellt wurde die Studie heute in Bonn auf der Wissenschaftspressekonferenz.
Winfried Schulze, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, bezeichnete die Zahlen "brutal in ihrer Eindeutigkeit": Über den Fünf-Jahres-Zeitraum nahm der Anteil der Drittmittel um 2,4 Prozent pro Jahr zu, während die Grundfinanzierung um 1,3 Prozent sank.
Zu 35 Prozent kommen die Drittmittel von der Deutschen Forschungsgesellschaft DFG, zu 26 Prozent aus Wirtschaft und Verbänden sowie zu 23 Prozent aus Projektgeldern des Bundes. Dabei wurden die Bundesgelder bis 1997 um 2 Prozent zurückgefahren.
Im internationalen Vergleich lag der Anteil der öffentlichen Quellen jedoch im Jahr 1995 in Deutschland mit 92 Prozent erheblich höher als in Großbritannien mit 72 Prozent oder den Vereinigten Staaten mit nur 48 Prozent.
Nicht nur Forschung, sondern auch Lehre werden inzwischen über eingeworbene Drittmittel finanziert. 1998 kamen durchschnittlich 110.680 Mark aus Drittmitteln auf einen Professor. Vor allem an medizinischen Einrichtungen stellen die Verwaltungseinnahmen mit 66 Prozent die stärkste Einnahmequelle dar. Gerade der medizinische Bereich wird von der Pharmaindustrie hartnäckig umworben.
Als kritisch bezeichnete es der Wissenschaftsrat, dass Drittmittel in einigen Bundesländern immer noch auf Sonder- und Privatkonten fließen. Wie Dietrich Niethammer, Vorsitzender des Medizinausschusses des Wissenschaftsrates, anmerkte, ist dabei "die Gefahr groß, der Vorteilsnahme beschuldigt zu werden". In Stuttgart war ein Professor zu 10.000 Mark Geldbusse verurteilt worden, weil eine Firma die Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter bezahlt hatte.